Thomann von Biberstein AG

Moderator: Wolf

Peter.D
Beiträge: 2662
Registriert: Sa 27. Feb 2010, 17:53
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Zürich

Re: Thomann von Biberstein AG

Beitrag von Peter.D » Mo 18. Mär 2024, 21:40

Hatte sie 5 uneheliche Kinder? Das ging damals aber böse ins Auge!

Stelle das PDF lieber hier ein, dann sehen es alle. Ich schau mir das vermutlich am Wochenende an.

Peter



Wolf
Moderator
Beiträge: 10582
Registriert: Sa 21. Mai 2005, 17:05
Geschlecht: Männlich
Wohnort: St.Gallen, Schweiz

Re: Thomann von Biberstein AG

Beitrag von Wolf » Mo 18. Mär 2024, 22:21

Peter.D hat geschrieben: Mo 18. Mär 2024, 21:21Vielleicht hat Wolf auch noch eine andere Idee.
Nein - ich finde Dein Angebot äusserst hilfsbereit! Den ganzen Text zu transkribieren wird wohl nur ein "Profi" gegen Bezahlung machen. Vorher zu kontrollieren, ob sich das lohnt, wäre sicher sehr hilfreich.

Bleibt die Frage, wie wir das organisieren. Im Forum können ja keine beliebig grossen Dateien hochgeladen werden. Vorschlag: ich schicke Francis eine PM mit meiner privaten Mailadresse - dann kann er mir die Datei(en) schicken und ich schaue mir das einmal an.

Beste Grüsse - Wolf


Wolf Seelentag, St.Gallen
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch/
Eingesetzte Software: Ahnenforscher

thomann54
Beiträge: 23
Registriert: Di 14. Sep 2021, 14:23
Geschlecht: Männlich

Re: Thomann von Biberstein AG

Beitrag von thomann54 » Di 19. Mär 2024, 09:17

Bonjour,
Voilà je viens d'envoyer la 1ère partie (F.Rösch) à Wolf.
Je rappelle les étranges caractéristiques de cette fratrie :o
thomann-anna-enfants.png
Et encore Merci
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.



Wolf
Moderator
Beiträge: 10582
Registriert: Sa 21. Mai 2005, 17:05
Geschlecht: Männlich
Wohnort: St.Gallen, Schweiz

Chorgerichtsmanuale 1786-1787

Beitrag von Wolf » Di 19. Mär 2024, 15:10

Ich habe die Dateien jetzt etwas umformatiert, um die Grössenbeschränkungen des Forums zu erfüllen - ohne wesentlichen Verlust an Lesbarkeit. Die Seiten stammen aus drei verschiedenen Bänden:
Archivplan-StABE.jpg
Die Seiten wurden bandweise zusammengefasst und als pdf gespeichert - siehe folgende Beiträge.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.


Wolf Seelentag, St.Gallen
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch/
Eingesetzte Software: Ahnenforscher

Wolf
Moderator
Beiträge: 10582
Registriert: Sa 21. Mai 2005, 17:05
Geschlecht: Männlich
Wohnort: St.Gallen, Schweiz

Chorgerichtsmanual B III 726 (1785-1786)

Beitrag von Wolf » Di 19. Mär 2024, 15:12

Chorgerichtsmanual B III 726 (1785-1786)
Thomann und Neukomm gegen Graber
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.


Wolf Seelentag, St.Gallen
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch/
Eingesetzte Software: Ahnenforscher

Wolf
Moderator
Beiträge: 10582
Registriert: Sa 21. Mai 2005, 17:05
Geschlecht: Männlich
Wohnort: St.Gallen, Schweiz

Chorgerichtsmanual B III 728 (1787-1787)

Beitrag von Wolf » Di 19. Mär 2024, 15:13

Chorgerichtsmanual B III 728 (1787-1787)
Thomann gegen Rösch
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.


Wolf Seelentag, St.Gallen
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch/
Eingesetzte Software: Ahnenforscher

Wolf
Moderator
Beiträge: 10582
Registriert: Sa 21. Mai 2005, 17:05
Geschlecht: Männlich
Wohnort: St.Gallen, Schweiz

Chorgerichtsmanual B III 729 (1787-1788)

Beitrag von Wolf » Di 19. Mär 2024, 15:14

Chorgerichtsmanual B III 729 (1787-1788)
Thomann gegen Rösch
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.


Wolf Seelentag, St.Gallen
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch/
Eingesetzte Software: Ahnenforscher

thomann54
Beiträge: 23
Registriert: Di 14. Sep 2021, 14:23
Geschlecht: Männlich

Re: Thomann von Biberstein AG

Beitrag von thomann54 » Di 19. Mär 2024, 17:03

C'est fantastique !
Je commence à m'y retrouver.

Mes autres documents sont les suivants:
- Chorgerichtsmanual B III 708 1775 (T, 521,616,617)
- Chorgerichtsmanual B III 712 1777-1778 (T, 243,560,684)
- Chorgerichtsmanual B III 713 1778 (T, 166,227,228,229)
- Chorgerichtsmanual B III 720 1781-1782 (T, 104,105,199,212,213,320)
- Chorgerichtsmanual B III 725 1785 (T,Tb, 374,527,605)
- Chorgerichtsmanual B III 726 1785-1786 (T, 45,46,123,124,207,208)
StABE Bern.png
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.



thomann54
Beiträge: 23
Registriert: Di 14. Sep 2021, 14:23
Geschlecht: Männlich

Re: Thomann von Biberstein AG

Beitrag von thomann54 » Di 19. Mär 2024, 17:52

Peter.D hat geschrieben: Mo 18. Mär 2024, 21:40 Hatte sie 5 uneheliche Kinder? Das ging damals aber böse ins Auge!
Peter
Oui, 5 enfants illégitimes ... Un vraie série TV !
C'est peut-être aussi pour cela que 2 de ses petit-enfants au moins ont émigré en France, Jacob (de Ott) et Jacob (de Rösch), tous les 2 Thomann.



Peter.D
Beiträge: 2662
Registriert: Sa 27. Feb 2010, 17:53
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Zürich

Re: Thomann von Biberstein AG

Beitrag von Peter.D » So 24. Mär 2024, 17:44

Ich fasse im Folgenden die beiden Vaterschaftsprozesse von 1786 und 1787 im Wesentlichen zusammen:

1. Klagen Thomann und Neukomm gegen Graber
Am 3.11.1785 bringt Elisabeth Neukomm (damals Neukum) einen unehelichen Sohn Johannes in Langenthal BE zur Welt. Am 16.12.1785 wird der uneheliche Sohn Abraham von Anna Thomann aus Biberstein geboren. Beide Frauen geben als Vater den Johann Graber aus Oberburg BE an und behaupten, dass er ihnen die Ehe versprochen habe. Nach damaligem Zivilrecht führte ein Eheversprechen (eine Verlobung) in der Regel zwingend zu einer Ehe. Beide Frauen klagten daher gegen den Johann Graber auf Vaterschaft und auf Trauung!

Das Obere Ehegericht in Bern entschied am 20.2.1786:
a) Johann Graber muss die Elisabeth Neukomm heiraten und das Kind Johannes wird dadurch als ehelich erklärt.
b) Das Eheversprechen gegenüber Anna Thomann wird aufgehoben (möglicherweise aufgrund der Reihenfolge der beiden Versprechen).
c) Da Graber die Vaterschaft nicht bestritt, wird ihm das Kind Abraham gemäss dem damals geltenden Paternitätsprinzip mit Namen und Heimatrecht zugeteilt. Er muss das Kind 6 Monate nach der Geburt übernehmen und für seinen weiteren Unterhalt aufkommen. Für die anfängliche Pflege durch die Mutter muss er ihr drei Kronen bezahlen. Er hatte somit ein praktisch gleichaltriges eheliches und ein uneheliches Kind, was der Pfarrer in Oberburg auch so ins Taufbuch eintrug (PDF-Seite 86).
d) Wegen des doppelten Eheversprechens wird Graber mit 10 Tagen Gefängnis gebüsst und er muss sämtliche Prozesskosten bezahlen.

2. Klage Thomann gegen Rösch
Am 31.5.1787 wurde das uneheliche Kind Samuel von Anna Thomann von Biberstein (Kirchgemeinde Kirchberg) geboren. Sie gab als Vater an den Friedrich Rösch von Langenthal und berief sich auf sein Eheversprechen. Als sie noch vor der Geburt die Eheverkündigung aufgab, erhob die Kirchgemeinde Langenthal Widerspruch (eventuell weil die Eltern oder der Vormund von Friedrich ihr Einverständnis zur Verlobung nicht gegeben hatten, oder wegen Armengenössigkeit; das müsste im Chorgerichts-Manual von Langenthal dokumentiert sein). Rösch bestritt zudem in mehreren Verhören die Vaterschaft, auch unter dem damals üblichen Reinigungs-Eid.

Das Obere Ehegericht in Bern entschied am 27.9.1787:
a) Das Eheversprechen des Rösch wird auf Verlangen der Kirchgemeinde Langenthal aufgehoben.
b) Da Anna Thomann im Geniess-Verhör (interrogatoire pendant l'accouchement) die rechtlich erforderlichen Aussagen nicht gemacht habe (müsste im Chorgerichts-Manual von Kirchberg dokumentiert sein), wird ihr das Kind als unehelich zugesprochen.
c) Anna musste die Prozesskosten tragen. Eine Strafe gegen sie ist jedoch in Bern gemäss Protokoll nicht ausgesprochen worden.

Peter



thomann54
Beiträge: 23
Registriert: Di 14. Sep 2021, 14:23
Geschlecht: Männlich

Re: Thomann von Biberstein AG

Beitrag von thomann54 » So 24. Mär 2024, 22:10

Viele Danke, Peter.
Merci beaucoup !
A suivre...

Francis



thomann54
Beiträge: 23
Registriert: Di 14. Sep 2021, 14:23
Geschlecht: Männlich

Re: Thomann von Biberstein AG

Beitrag von thomann54 » Di 26. Mär 2024, 14:12

Extrait de Swissinfo.ch,
https://www.swissinfo.ch/fre/economie/q ... t/49141462
"Exclusion de la société
La naissance d’un enfant illégitime pouvait avoir de graves conséquences, la société s’attendant à ce que les femmes avouent leur situation ou dénoncent les géniteurs. En cas de refus, on les soumettait alors au cours de l’accouchement à un «Geniessverhör», un interrogatoire du plaisir, en prétextant que souffrantes elles ne pouvaient dire que la vérité.

Pour celles qui ont eu à subir cette pratique, le résultat était à double tranchant. Si passer aux aveux avait été très pénible à vivre sur le moment, elles eurent ensuite la possibilité de demander aux pères de reconnaître les nouveau-nés et d’en assurer la charge également.

En effet, à cette époque, en cas d’arrivée d’enfants illégitimes au monde, autant la mère que le père s’exposait à des peines pouvant aller de l’amende à l’emprisonnement, en passant par des châtiments corporels et autres peines infamantes. Les mères célibataires restaient dans le viseur des autorités. Quant aux pères, ils avaient tout à craindre pour leur réputation."



thomann54
Beiträge: 23
Registriert: Di 14. Sep 2021, 14:23
Geschlecht: Männlich

Re: Thomann von Biberstein AG

Beitrag von thomann54 » Mi 27. Mär 2024, 09:45

Je pense avoir trouvé la technique pour réduire la taille des pdf.
Voici donc la partie concernant le 1er fils Hans Heinrich, dont le père est Peter LEHNHERR :

Ich denke, ich habe die Technik gefunden, um die Größe von PDFs zu reduzieren.
Hier der Teil über den 1. Sohn Hans Heinrich, dessen Vater Peter LEHNHERR ist:

Chorgerichtsmanual B III 708 1775
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.



Peter.D
Beiträge: 2662
Registriert: Sa 27. Feb 2010, 17:53
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Zürich

Re: Thomann von Biberstein AG

Beitrag von Peter.D » Do 4. Apr 2024, 16:36

See below for the text in English.
=============================


Hallo Francis

Ich habe nun alle vom Staatsarchiv für dich fotografierten Seiten aus dem Manual des Oberen Ehegerichts durchgelesen und fasse im Folgenden die wesentlichen Bestandteile aller 5 Urteile zusammen (inkl. der beiden bereits am 24.3. dargestellten Urteile):

1. Klage Thomann gegen Peter Lehnherr von Thun
Sohn NN Thomann geboren 12.8.1775 [Hans Heinrich - siehe Taufeintrag]
BIII708-Lehnherr.pdf
Anna Thomann von Biberstein (Kirchgemeinde Kirchberg) klagte gegen Peter Lehnherr, Receveur (wohl Schaffner, Einnehmer der Abgaben) auf Schloss Biberstein, auf Vaterschaft für ihren am 12.8.1775 geborenen Sohn (der Vorname des Sohn erscheint nicht in den Protokollen und die Taufbücher von Thun sind für die fragliche Zeit nicht online). [§]
Lehnherr bestritt zunächst die Vaterschaft wiederholt, erst auf Androhung eines zu leisteten Eides bekannte er sich als Vater (die Eidesleistung galt damals als äusserst ernste Angelegenheit, mit drastischen weltlichen und religiösen Folgen bei falschem Eid).

Das Obere Ehegericht in Bern entschied am 30.10.1775:
a) Das Kind NN wird ihm gemäss dem damals geltenden Paternitätsprinzip mit Namen und Heimatrecht zugeteilt. Er muss das Kind 6 Monate nach der Geburt übernehmen und für seinen weiteren Unterhalt aufkommen. Für die anfängliche Pflege durch die Mutter muss er ihr drei Kronen bezahlen. Ausserdem muss Lehnherr die Prozesskosten bezahlen.
b) Beide Parteien werden wegen des ausserehelichen Verkehrs zu je 10 Tagen Gefängnis in Kirchberg verurteilt.

2. Klage Thomann gegen Jakob Ott von Auenstein
Sohn Jakob Thomann geboren 4.10.1777
BIII712-Ott-Jakob.pdf
BIII713-Ott-Jakob.pdf
Anna Thomann klagt gegen Jakob Ott von Auenstein auf Vaterschaft für das am 4.10.1777 geborene Kind Jakob. Ott bestreitet die Vaterschaft, da er der Thomann erst im Juli 1777 beigewohnt hatte.

Das Obere Ehegericht in Bern entschied am 29.5.1778:
a) Da Anna Thomann im Verlaufe des Verfahrens unterschiedliche und weit auseinander liegende Daten für die Empfängnis angegeben hatte wird ihr der Sohn Jakob mit Namen und Heimatrecht zugewiesen.
b) Anna erhält eine Gefängnisstrafe von 20 Tagen, da sie bereits zum zweiten Mal unehelich geboren hat.
c) Jakob Ott wird aufgrund des eingestandenen unehelichen Umgangs zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt.
d) Das Gericht verzichtet "grosszügigerweise" auf Gerichtskosten.

3. Klage Thomann gegen Kaspar Ott von Biberstein
Sohn Kaspar Thomann geboren 5.11.1781
BIII720-A-Ott-Kaspar.pdf
BIII720-B-Ott-Kaspar.pdf
Im Geniess-Verhör bezeichnete Anna Thomann den Kaspar Ott von Biberstein als Vater des am 5.11.1781 geborenen Sohns Kaspar, was dieser allerdings vehement bestritt. Der Ton in den Protokollen ändert sich nun deutlich: Anna wird jetzt als "liederliche Dirne" bezeichnet.

Das Obere Ehegericht in Bern entschied am 27.12.1781 und am 3.1.1782:
a) Nach damals geltender Ehegericht-Satzung war eine dritte Vaterschaftsklage nach zwei unehelichen Geburten nicht mehr zulässig (Dieses Prinzip galt noch lange im 19. Jh. in mehreren Kantonen).
b) Da Kaspar Ott die Vaterschaft zudem bestritt, wird der Sohn Kaspar wiederum der Mutter zugeteilt. Das Gericht spricht der Gemeinde Kirchberg das Bedauern aus für die wiederholte Belastung der Gemeinde aufgrund der notwendigen materiellen Unterstützung der unehelichen Kinder.
c) Bei einer dritten unehelichen Schwangerschaft musste das Obere Ehegericht die Bestrafung an den Rat von Bern übergeben. Der Rat verurteilte Anna Thomann in der Folge zu 2 Jahren Zuchthaus, und zwar in der Spinn-Stube, also Arbeit am Spinnrad und Ähnliches. Ausserdem muss Anna alle Prozesskosten tragen.
d) Die Kosten der Parteien, die beide durch Anwälte oder Beistände vertreten waren, werden dem lokalen Zivilgericht zur Beurteilung überwiesen.

4. Klagen Thomann und Neukomm gegen Johann Graber von Oberburg
Sohn Abraham Graber geboren 16.12.1785
BIII725-Graber.pdf
BIII726-Graber.pdf
Die Kopien nachfolgender Seiten wurden schon oben publiziert - siehe viewtopic.php?t=31041&start=30#p126526.
Am 3.11.1785 bringt Elisabeth Neukomm (damals Neukum) einen unehelichen Sohn Johannes in Langenthal BE zur Welt. Am 16.12.1785 wird der uneheliche Sohn Abraham von Anna Thomann aus Biberstein geboren. Beide Frauen geben als Vater den Johann Graber aus Oberburg BE an und behaupten, dass er ihnen die Ehe versprochen habe. Nach damaligem Zivilrecht führte ein Eheversprechen (eine Verlobung) in der Regel zwingend zu einer Ehe. Beide Frauen klagten daher gegen den Johann Graber auf Vaterschaft und auf Trauung!

Das Obere Ehegericht in Bern entschied am 20.2.1786:
a) Johann Graber muss die Elisabeth Neukomm heiraten und das Kind Johannes wird dadurch als ehelich erklärt.
b) Das Eheversprechen gegenüber Anna Thomann wird aufgehoben (möglicherweise aufgrund der Reihenfolge der beiden Versprechen).
c) Da Graber die Vaterschaft nicht bestritt, wird ihm das Kind Abraham gemäss dem damals geltenden Paternitätsprinzip mit Namen und Heimatrecht zugeteilt. Er muss das Kind 6 Monate nach der Geburt übernehmen und für seinen weiteren Unterhalt aufkommen. Für die anfängliche Pflege durch die Mutter muss er ihr drei Kronen bezahlen. Er hatte somit ein praktisch gleichaltriges eheliches und ein uneheliches Kind, was der Pfarrer in Oberburg auch so ins Taufbuch eintrug (PDF-Seite 86).
d) Wegen des doppelten Eheversprechens wird Graber mit 10 Tagen Gefängnis gebüsst und er muss sämtliche Prozesskosten bezahlen.

5. Klage Thomann gegen Friedrich Rösch von Langenthal
Sohn Samuel Thomann geboren 31.5.1787
Die Kopien der Original-Dokumente wurden schon oben publiziert - siehe viewtopic.php?t=31041&start=30#p126527 und viewtopic.php?t=31041&start=30#p126528.
Am 31.5.1787 wurde das uneheliche Kind Samuel von Anna Thomann geboren. Sie gab als Vater an den Friedrich Rösch von Langenthal und berief sich auf sein Eheversprechen. Als sie noch vor der Geburt die Eheverkündigung aufgab, erhob die Kirchgemeinde Langenthal Widerspruch (eventuell weil die Eltern oder der Vormund von Friedrich ihr Einverständnis zur Verlobung nicht gegeben hatten, oder wegen Armengenössigkeit; das müsste im Chorgerichts-Manual von Langenthal dokumentiert sein). Rösch bestritt zudem in mehreren Verhören die Vaterschaft, auch unter dem damals üblichen Reinigungs-Eid.

Das Obere Ehegericht in Bern entschied am 27.9.1787:
a) Das Eheversprechen des Rösch wird auf Verlangen der Kirchgemeinde Langenthal aufgehoben.
b) Da Anna Thomann im Geniess-Verhör (interrogatoire pendant l'accouchement) die rechtlich erforderlichen Aussagen nicht gemacht habe (müsste im Chorgerichts-Manual von Kirchberg dokumentiert sein), wird ihr das Kind als unehelich zugesprochen.
c) Anna musste die Prozesskosten tragen. Eine Strafe gegen sie ist jedoch in Bern gemäss Protokoll nicht ausgesprochen worden.

Peter

---------------------------
[§] Die regulären Taufrodel von Thun beginnen erst 1793. Ab 1578 sind Kirchenbücher der Burger von Thun im Burgerarchiv erhalten - diese wurden von der GHGB digitalisiert und können dort erworben werden. Fritz Bieri hat diese Rodel dankenswerterweise kontrolliert - die gesuchte Taufe ist dort leider nicht vermerkt.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.



thomann54
Beiträge: 23
Registriert: Di 14. Sep 2021, 14:23
Geschlecht: Männlich

Re: Thomann von Biberstein AG

Beitrag von thomann54 » Sa 6. Apr 2024, 13:28

Was für eine Emotion!
Ich weiß nicht, wie ich Peter und Wolf danken soll, sie haben einen fantastischen Job gemacht.
Am Ende begann ich mit einem unsicheren Dokument, um 5 Jahre später anzukommen, um fast alle Details über meine Vorfahrin Anna zu erfahren, mit mehr als fragwürdigen Moralvorstellungen...
Ich bin überzeugt, dass es für seine Nachkommen sehr schwierig gewesen sein muss, in einem kleinen, kargen Städtchen wie Biberstein zu leben, und dass dies sicherlich der Grund für die Auswanderung nach Frankreich war, Jacob (Enkel von Jacob OTT) in einem 1. Mal, dann 4 Kinder von Samuel Thomann, darunter Jacques, der Großvater meines Großvaters.
Da ich weiß, dass meine Großeltern ziemlich strenge Protestanten waren, fehlt es dieser Geschichte nicht an Würze.
Nochmals ein riesiges Dankeschön an Peter.D und Wolf
Francis, Sohn von Geneviève Thomann

Quelle émotion !
Je ne sais pas comment remercier Peter et Wolf, ils ont fait un travail fantastique.
En définitive, je suis parti d’un document incertain pour arriver 5 ans plus tard à connaître presque tous les détails sur mon ancêtre Anna, aux mœurs plus que douteuses…
J’ai la conviction que cela devait être très difficile à vivre pour sa descendance, dans une petite ville austère comme Biberstein, et que c’est très certainement cela qui a motivé l’émigration en France, Jacob (petit-fils de Jacob OTT) dans un 1er temps, puis 4 enfants de Samuel Thomann, dont Jacques, le grand-père de mon grand-père.
Sachant que mes grands-parents étaient des protestants assez rigoureux, cette histoire ne manque pas de piquant.
A nouveau un immense Merci à Peter.D et à Wolf
Francis, fils de Geneviève Thomann


Auszug aus Swissinfo.ch,
"Die Geburt eines
unehelichen Kindes kann schwerwiegende Folgen haben, da die Gesellschaft von Frauen erwartet, dass sie ihre Situation gestehen oder die Eltern denunzieren. Wenn sie sich weigerten, wurden sie während der Geburt einem Geniessverhör unterzogen, unter dem Vorwand, dass sie nur die Wahrheit sagen könnten, weil sie litten.

Für diejenigen, die sich dieser Praxis unterziehen mussten, war das Ergebnis ein zweischneidiges Schwert. Wenn es damals sehr schwierig gewesen war, die Beichte durchzugehen, hatten sie dann die Möglichkeit, die Väter zu bitten, die Neugeborenen zu erkennen und sich auch um sie zu kümmern.

Zu dieser Zeit waren nämlich sowohl die Mutter als auch der Vater im Falle der Ankunft unehelicher Kinder Strafen ausgesetzt, die von Geldstrafen bis hin zu Gefängnisstrafen reichen konnten, einschließlich körperlicher Züchtigung und anderer infamer Strafen. Alleinerziehende Mütter blieben im Visier der Behörden. Was die Väter anbelangt, so hatten sie allen Grund, um ihren Ruf zu fürchten."



Wolf
Moderator
Beiträge: 10582
Registriert: Sa 21. Mai 2005, 17:05
Geschlecht: Männlich
Wohnort: St.Gallen, Schweiz

Anna Thomann and her 5 illegitimate children

Beitrag von Wolf » Mi 10. Apr 2024, 18:54

1) Case Thomann against Peter Lehnherr of Thun
Son NN Thomann born 12.8.1775
[Hans Heinrich - see Taufeintrag]

Anna Thomann von Biberstein (Kirchberg parish) sues Peter Lehnherr, Receveur (probably conductor, collector of taxes) at Biberstein Castle, for paternity of her son born on 12 August 1775 (the son's first name does not appear in the records and the Thun baptismal registers are not online for the period in question).
Lehnherr initially repeatedly denied paternity, only admitting to being the father when threatened with an oath (taking an oath was considered an extremely serious matter at the time, with drastic secular and religious consequences if the oath was false).

The High Marriage Court in Bern ruled on 30 October 1775:
a) The child NN was assigned to him by name and right of origin in accordance with the paternity principle in force at the time. He must take over the child 6 months after birth and provide for its further maintenance. He must pay her three crowns for the initial care provided by the mother. In addition, Lehnherr must pay the legal costs.
b) Both parties are sentenced to 10 days imprisonment each in Kirchberg for extramarital intercourse.

2) Case Thomann against Jakob Ott of Auenstein
Son Jakob Thomann born 4 October 1777


Anna Thomann sues Jakob Ott of Auenstein for paternity of her child Jakob, born on 4 October 1777. Ott denies paternity, as he had only been present with Thomann in July 1777.

The High Marriage Court in Bern ruled on 29 May 1778:
a) As Anna Thomann had given different and widely differing dates for the conception in the course of the proceedings, her son Jakob was assigned to her by name and birthright.
b) Anna received a prison sentence of 20 days as she had given birth out of wedlock for the second time.
c) Jakob Ott is sentenced to 10 days' imprisonment because he has admitted to having had contact out of wedlock.
d) The court "generously" waives court costs.

3) Case Thomann against Kaspar Ott of Biberstein
son Kaspar Thomann born 5 November 1781


In the "Geniess interrogation", Anna Thomann referred to Kaspar Ott von Biberstein as the father of her son Kaspar, born on 5 November 1781, although the latter vehemently denied this. The tone in the records now changes significantly: Anna is now labelled a "dissolute prostitute".

The High Marriage Court in Bern ruled on 27 December 1781 and 3 January 1782:
a) According to the marriage court statutes in force at the time, a third paternity action was no longer permitted after two illegitimate births (this principle was still in force in several cantons for a long time in the 19th century).
b) As Kaspar Ott also disputed paternity, the son Kaspar was again assigned to the mother. The court expresses its regret to the municipality of Kirchberg for the repeated burden on the municipality due to the necessary material support of the illegitimate children.
c) In the case of a third illegitimate pregnancy, the High Marriage Court had to hand over the punishment to the Council of Bern. The Council subsequently sentenced Anna Thomann to 2 years in prison, in the spinning parlour, i.e. work on the spinning wheel and the like. In addition, Anna must bear all legal costs.
d) The costs of the parties, who were both represented by lawyers or counsels, are referred to the local civil court for judgement.

4) Cases Thomann and Neukomm against Johann Graber of Oberburg
son Abraham Graber born 16.12.1785


On 3 November 1785, Elisabeth Neukomm (then Neukum) gives birth to an illegitimate son Johannes in Langenthal BE. On 16 December 1785, the illegitimate son Abraham is born to Anna Thomann from Biberstein. Both women name Johann Graber from Oberburg BE as the father and claim that he had promised to marry them. According to civil law at the time, a promise of marriage (an engagement) generally led to a marriage. Both women therefore sued Johann Graber for paternity and marriage!

The High Marriage Court in Bern ruled on 20 February 1786:
a) Johann Graber must marry Elisabeth Neukomm and the child Johannes is thereby declared legitimate.
b) The promise of marriage to Anna Thomann is cancelled (possibly due to the order of the two promises).
c) As Graber did not deny paternity, the child Abraham is assigned to him by name and right of domicile in accordance with the paternity principle in force at the time. He must adopt the child 6 months after the birth and provide for his continued maintenance. He had to pay her three crowns for the mother's initial care. He thus had a legitimate and illegitimate child of practically the same age, which the priest in Oberburg also entered in the baptismal register.
d) Graber is fined 10 days in prison for the double promise of marriage and must pay all legal costs.

5) Case Thomann against Friedrich Rösch of Langenthal
son Samuel Thomann born 31.5.1787


Anna Thomann's illegitimate child Samuel was born on 31 May 1787. She gave Friedrich Rösch of Langenthal as the father and invoked his promise of marriage. When she gave up the marriage announcement before the birth, the parish of Langenthal objected (possibly because Friedrich's parents or guardian had not given their consent to the engagement, or because he was poor; this should be documented in the Langenthal marital court manual). Rösch also denied paternity in several interrogations, including under the then customary oath of purification.

The High Marriage Court in Bern ruled on 27 September 1787:
a) Rösch's promise of marriage was annulled at the request of the parish of Langenthal.
b) As Anna Thomann had not made the legally required statements in the paternity hearing (this should be documented in the Kirchberg choir court manual), the child was awarded to her as illegitimate.
c) Anna had to pay the legal costs. However, according to the minutes, no penalty was imposed on her in Bern.

-----------------------
Copies of all 34 pages of the court proceedings may be downloaded from the German version of this summary (one has to be registered to be able to do this - which is free and without obligation).


Wolf Seelentag, St.Gallen
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch/
Eingesetzte Software: Ahnenforscher

Wolf
Moderator
Beiträge: 10582
Registriert: Sa 21. Mai 2005, 17:05
Geschlecht: Männlich
Wohnort: St.Gallen, Schweiz

Geburt/Taufe Hans Heinrich Thomann */~ 12./20.08.1775

Beitrag von Wolf » Do 11. Apr 2024, 23:17

https://www.ag.ch/staatsarchiv/suche/Da ... df#page=23
Kirchberg-Biberstein-Tauf-17750820-Thomann-korr.jpg
den 20.ten Aug. [1775]
den 12.ten ejusdem ist mit einem Knablin darnider kommen
Anna Toman, gibt zum Vater an H. Peter Lehnherr
von Thun, Einzieher im Schloß Biberstein
Täufling: Hans Heinrich
Zeugen: Hs. Heinrich Lienhard von Buchs / Magdalena Käser
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.


Wolf Seelentag, St.Gallen
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch/
Eingesetzte Software: Ahnenforscher

Antworten

Zurück zu „Aargau (AG)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast