Lesehilfe / Worterklärung von 1840

Hilfe / Support / Aide
Hilfe / Support / Aide
Antworten
Pili
Beiträge: 367
Registriert: Sa 31. Mär 2007, 17:41
Geschlecht: Weiblich
Wohnort: Schweiz, Thurgau

Lesehilfe/Worterklärung von 1840

Beitrag von Pili » Sa 28. Feb 2009, 15:55

Hallo zusammen
Ich kann ein Wort aus einem Totenbuch nicht lesen, resp. deuten. Es geht um einen Mord in der Region Frauenfeld (Thurgau) von 1840.
Es betrifft das zweitletzte Wort im obersten Text in der Kolonne rechts: "Von Dietingen nach Hause kehrend, auf dem Weg ermordet und in eine ...... (Nose?) geworfen".
Wenn ich mich nicht irre, finden wir dieses Wort im Text unten rechts nochmals, eventuell mit einem leichten Verschrieb beim 2. Buchstaben.
Falls das Wort wirklich "Nose" heisst: Was war eine Nose? Möglicherweise könnte der Familienname "Noser" davon abgeleitet sein.
Wer kann helfen?
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.


Gruss

Pili

Aspis
Beiträge: 701
Registriert: Mi 16. Mai 2007, 11:58
Geschlecht: Männlich
Wohnort: CH, ZH

Lesehilfe/Worterklärung von 1840

Beitrag von Aspis » Sa 28. Feb 2009, 16:12

Ich würde vielleicht versuchen Zeitungsartikel aus der Gegend zu dieser Zeit zu suchen.


Gruss Theo

Gebiete: Bruggmann Degersheim-Magdenau/SG, Strässle Bütschwil/SG, Mumenthaler Trachselwald/BE, Maibach Dürrenroth/BE, Mosimann Lauperswil/BE, Vogel Bütschwil/SG, Widmer Altnau/TG, Feybli Einsiedeln/SZ

Michael.
Beiträge: 89
Registriert: So 20. Jan 2008, 15:38
Wohnort: Deutschland, Baden-Württemberg

Lesehilfe/Worterklärung von 1840

Beitrag von Michael. » Sa 28. Feb 2009, 18:53

Hallo Pili,
ich würde Rose lesen.


Viele Grüße
Michael

Pili
Beiträge: 367
Registriert: Sa 31. Mär 2007, 17:41
Geschlecht: Weiblich
Wohnort: Schweiz, Thurgau

Lesehilfe/Worterklärung von 1840

Beitrag von Pili » Sa 28. Feb 2009, 19:30

Zuerst habe ich auch Rose gelesen. Aber ich finde in diesem Zusammenhang den Sinn nicht. Gab es "Rosen", in denen man ertrinken konnte und von denen es damals in jener Gegend mehrere davon gab?


Gruss

Pili

Thomas
Beiträge: 1375
Registriert: Mi 26. Apr 2006, 11:04
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Zürich

Lesehilfe / Worterklärung von 1840

Beitrag von Thomas » Sa 28. Feb 2009, 20:55

Ja, ich denke, eine “Rose“ ist eine mit Abwasser gefüllte Grube.

Gruss

Thomas


Thomas Illi, Wolfhausen

eritro
Beiträge: 275
Registriert: Mi 13. Jul 2005, 05:48
Geschlecht: Männlich

Lesehilfe / Worterklärung von 1840

Beitrag von eritro » So 1. Mär 2009, 12:20

In einem thurgauischen Marchenbuch von 1734 (StATG 0’05’4) über die Grenzen der St. Gallischen Malefizgerichte in der Landgrafschaft Thurgau taucht der Begriff als /roôßen/ mehrmals auf. Leider ist der Begriff darin nicht genauer erklärt, es muss aber ein Geländemerkmal sein ähnlich wie eine Grube oder Graben.

Hier ein Beispiel aus der Gegend von Helmishueb bei Sitterdorf an der Grenze zu Hüttenschwilisch-Blasenberg (heute Gemeinde Muolen SG):
«Von dar 83 stangen mittagwerthß über die Steinbronnenwyßen durch biß an daß haâg egg bey einer roôßen.»

Ein zweites Beispiel aus Sitterdorf an der Grenze zum Bischofszeller Stadtgericht:
«Von dißer 12 ½ stangen durch die wyßen hinunder in ein marckh auff 2 seithen mit litt. L.G.T. / G.S.G. [Landgrafschaft Thurgau / Gottshaus St. Gallen] und mit einem Costanzischen †, welche auff einem kleinen büechelin am fueßweêg nächst bey einer roôßen gesezt ist.»

Ein weiteres Beispiel von Sitterdorf an der Grenze zu Muolen:
«Von dißer 707 stangen gegen mittnacht dem haâg nach zwüschen der Geltwyß und Schelmenwyß und der Ochsen wayd biß in daß haâg egg der Schelmenwyß bey einer roôßen.»

Und ein letztes Beispiel an der Grenze von Wuppenau [eigentlich St. Gallisches Berggericht] gegen die Gerichtsherrschaft Bürglen:
«Von dißer 87 stangen weithers mittnachtwerths durch daß holz hinabwerthß aller grädi nach in die marckh, die under der probstey Werdbüehl bey einer roôßen an dem fueßweêg stehet, bezeichnet auff zwey seithen mit litt. B. [Bürglen] und mit litt. L.G.T. / G.S.G. [Landgrafschaft Thurgau / Gottshaus St. Gallen].»



John
Beiträge: 272
Registriert: Mi 29. Jun 2005, 12:34
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Kanton Bern

Lesehilfe / Worterklärung von 1840

Beitrag von John » So 1. Mär 2009, 14:53

Die Schilderung von Beispielen aus der engeren Umgebung meiner früheren Heimat hat in mir das Interesse geweckt im Thurgauer Namenbuch "Die Flurnamen des Kanton Thurgau" von Eugen Nyffenegger nachzulesen was dieser bekannte Namensforscher zu Roose sagt.

Roose, plural von Roos, schweizerdeutsch Röste!
Namen mit einem Element ROOS verweisen auf die früher ausserhalb der Dörfer angelegten, rechteckigen Wassergruben, in denen Flachs und Hanf eingelegt und erweicht wurden. Hanfroosen (Hanfrösten) waren 4-5 m lang, 3-4 m breit und bis zu 2 m tief; umfasst waren waren sie von einem Balkenrahmen, von dem aus mit bestimmten Vorrichtungen die meist zwei Lagen Hanf unter Wasser gehalten werden konnten, wo die Hülesen verfaulten und das Flachs mürbe wurde.

Roos: 'bei den Tümpeln, bei den Hanf- oder Flachsrösten'. Flurname - Wiese, Sumpf. Konstant mit Wasser gefüllt, auch im heissen Sommer.

Etliche auch weiterführende Beispiele mit ähnlicher Umschreibung wie im obigen Beitrag von "eritro" sind zu finden im Band 3.2.
Gruss John



Pili
Beiträge: 367
Registriert: Sa 31. Mär 2007, 17:41
Geschlecht: Weiblich
Wohnort: Schweiz, Thurgau

Lesehilfe / Worterklärung von 1840

Beitrag von Pili » So 1. Mär 2009, 18:13

Hallo zusammen

Herzlichen Dank euch allen für eure informativen Beiträge, die mir eine grosse Hilfe sind.
Uebrigens - der bedauernswerte Tote, dessen Leben unfreiwillig in einer dieser Roosen endete, war ein Bruder meines Urururgrossvaters.


Gruss

Pili

Antworten

Zurück zu „Lesen/Reading/Lecture & Transcriptions“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 7 Gäste