Zürcher Untervögte vor 1798

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Thomas
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Zürcher Untervögte vor 1798 (Beispiel Meilen)

Beitrag von Thomas » Mi 14. Jun 2006, 13:16

Ich bin auf eine ziemlich vollständige Liste der Untervögte in zürcherischen Vogteien im 18. Jahrhundert gestossen. Das Amt eines Untervogts war im Zürcher Obrigkeitsstaat vor 1798 das höchste Amt, das ein Landbürger erreichen konnte.

Beispiel Meilen:

Hans Jacob WUNDERLI (1701 - 1721)
Lieut. Hs. Heinrich WUNDERLI, Sohn des Vorgängers (1771 - 1747)
Alt Kirchenpfleger DOLDER (1747 - 1774)
Richter P. BRÄNDLI (1774 - 1798)

Wer wissen möchte, ob sich allenfalls Vorfahren unter diesen lokalen Würdenträgern befinden, möge sich im Forum melden.

Gruss

Thomas
- Editiert von Wolf am 14.06.2006, 23:58 -


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chuta
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Zürcher Untervögte vor 1798

Beitrag von chuta » Mi 14. Jun 2006, 15:41

Gerne nehme ich Dein Angebot an. Da ich einen Teil meiner Vorfahren in Stallikon und Birmensdorf habe würde es mich interessieren, wer in diesen beiden Gemeinden Untervogt war.

Vielen Dank

Gruss

Roman



Thomas
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Zürcher Untervögte vor 1798 (Birmensdorf)

Beitrag von Thomas » Mi 14. Jun 2006, 15:59

Hier die Untervögte von Birmensdorf:

Sekelm. WEISS (1691 - 1703)
Alt Sekelm. OGGENFUSS (1703 - 1720)
Kilchmeyer OGGENFUSS (1720 - 1727)
Kirchmeyer TRACHSLER (1727 - 1745)
Bernh. FREY (1745 - 1753)
Balthasar TRACHSLER (1753 - 1765)
Kilchm. Rudolf KUPFER (1765 - 1766)
Hans BAUER (1766 - 1777)
Jakob FREY (1777 - 1793)
Sekelm. Felix TRACHSLER (1793 - 1798)

Stallikon gehörte zur Obervogtei Wettswil-Bonstetten und hatte keinen eigenen Untervogt. Nach welchem Namen soll ich dort suchen?

Gruss

Thomas
- Editiert von Wolf am 14.06.2006, 23:59 -


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Eddie
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Zürcher Untervögte vor 1798

Beitrag von Eddie » Mi 14. Jun 2006, 17:18

Wer wissen möchte, ob sich allenfalls Vorfahren unter diesen lokalen Würdenträgern befinden, möge sich im Forum melden.


Hallo Thomas,

danke für das Angebot. Mich interessieren die Untervögte von Weiach unter welchen Bersinger zu finden sein sollten.

Gruss

Eddie



Thomas
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Zürcher Untervögte vor 1798 (Weiach)

Beitrag von Thomas » Mi 14. Jun 2006, 18:34

Hallo Eddie,

Wahrscheinlich meinst Du BERTSCHINGER. In der Tat amteten in Weiach im 18. Jahrhundert fast durchgehend Angehörige der Familie BERTSCHINGER als Untervögte, nämlich:

Heinrich B. (- 1703)
Jakob B. (1703 - 1718)
Jakob B. (1718 - 1766)
Hans Jakob B. (1785 - 1798)

Der letztgenannte wurde nach dem Umsturz 1798 Präsident des Distriktsgerichts Bülach, sein Brunder Rudolf BERTSCHINGER wurde am 9. März 1801 als Präsident der "Munizipalität" Weiach eingesetzt.

Gruss

Thomas
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Bersinger / Bertschinger (Weiach)

Beitrag von Wolf » Mi 14. Jun 2006, 18:47

Eddie hatte seine Frage ursprünglich unter Bersinger von Weiach gestellt. Tatsächlich sind Bersinger seit vor 1800 Bürger von Weiach - die Schreibweise Bertschinger wird dagegen nicht für Weiach genannt - dafür für 12 andere Gemeinden im Kanton ZH.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Familien dieser beiden Schreibweisen?
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Bersinger / Bertschinger (Weiach)

Beitrag von Thomas » Mi 14. Jun 2006, 19:46

Ich habe die Sache überprüft und komme zum Schluss, dass in meiner Quelle (immerhin eine Dissertation der Universität Zürch) der Name wohl falsch geschrieben wurde. Tatsächlich hiessen die genannten Weiacher Untervögte BERSINGER.

Gruss

Thomas
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Bersinger / Bertschinger (Weiach)

Beitrag von Eddie » Mi 14. Jun 2006, 21:02

Vielen Dank an Thomas und Wolf.

Der Name ist ohne jeden Zweifel Bersinger. Bersinger aus Weiach kommen bei meinen Ahnen vor und ich bin dabei diese aufzuarbeiten.

Es gibt eine Schrift von Walter Zollinger "Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach 1271 - 1971"
und da wird der Name Bersinger als Untervögte erwähnt.

Ich weiss leider nicht ob es einen Zusammenhang zwischen Bersinger/Bertschinger gibt.

Nochmals vielen Dank und beste Grüsse

Eddie
- Editiert von Wolf am 15.06.2006, 00:01 -



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Zürcher Untervögte vor 1798

Beitrag von Eddie » Mi 14. Jun 2006, 21:10

Dazu noch einen im Zürcher Unterländer am 29.03.2004 erschienenen Artikel

Vom Untervogt zum Gemeindeammann
Seit jeher gab es neben den Gemeindebehörden Vollziehungsbeamte des Staates in der Gemeinde. Es waren dies die Untervögte. Sie waren die Stellvertreter des Statthalters für Polizei- und Strafsachen. Diese Beamten heissen seit der Mediation Gemeinde/Stadtammänner: Sie dienten von Anfang an als Ausführungsorgane der so genannten Schuldenschreiber, auch der Schuldbetreibung. Mit der Kantonsverfassung vom 18. April 1869 wurden die Schuldenschreiber abgeschafft und die Gemeindeammänner zu den einzigen Schuldbetreibungsbeamten.Seit dem Inkrafttreten der Verfassung sind den Gemeindeammännern aber die polizeilichen Funktionen bis auf rudimentäre Reste entzogen.
Der Gemeindeammann im Kanton Zürich ist als Organ der Rechtspflege einzigartig. Diesen Beruf kennt man in keinem anderen Kanton.



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Zürcher Untervögte vor 1798

Beitrag von Thomas » Do 15. Jun 2006, 08:08

Zum Amt eines (Zürcher) Untervogts noch folgende Ergänzungen:

Es trifft zu, dass die Untervögte (auch) die Aufgaben der späteren Stadt- bzw. Gemeindeammänner (Schuldbetreibung) hatten. In erster Linie aber hatten die Untervögte richterliche Kompetenzen: Sie standen dem lokalen Gericht ihrer Gemeinde (Dorf-Untervögte) oder ihres Amtes (Amtsuntervögte) vor und oft auch in Vertretung des Ober- oder Landvogtes dem Landgericht der Vogtei. Ausserdem leiteten sie strafrechtliche Untersuchungen, vergleichbar mit der Aufgabe der späteren Bezirksanwälte. Zudem waren die Untervögte zuständig für die Durchsetzung der städtischen Sittenmandate. Diese wurden jeweils am Sonntag in der Kirche verlesen; allfällige "Sünder" wurden vor versammelter Gemeinde zur Rede gestellt.

Untervögte wurden nicht vom Volk gewählt, sondern von den "Gnädigen Herren" in der Stadt, dem Kleinen Rat, eingesetzt. Das Volk hatte allerdings ein Vorschlagsrecht und durfte drei Kandidaten benennen (so genannter Dreiervorschlag). Die Amtszeit eines Zürcher Untervogts betrug theoretisch sechs Jahre, wobei er sich aber keiner Wiederwahl durch den Kleinen Rat stellen musste. Zu Beginn einer neuen Amtsperiode wurde ihm zum Zeichen der Bestätigung im Amt lediglich Stoff für eine neue Amtstracht (ein blau-weisser Mantel) ausgehändigt. Untervögte blieben oft bis zu ihrem Tod im Amt. Nachfolger wurde sehr oft ein Sohn; das Amt war quasi in der Familie vererblich.

Untervögte bildeten zusammen mit weiteren Gemeindevorgesetzten (Sekelmeister, Richter, Geschworene, Ehegaumer, Stillständer) die lokale Oberschicht und führten sich manchenorts als "Dorfkönige" auf. Es gibt Zürcher Gemeinden, wo die Untervögte sogar einen "Zehnten" für sich beanspruchten.


Gruss

Thomas


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Zürcher Untervögte vor 1798

Beitrag von Eddie » Do 15. Jun 2006, 11:06

Vielen Dank Thomas für diesen sehr lehrreichen Beitrag.

Gruss

Eddie



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Zürcher Untervögte vor 1798

Beitrag von Thomas » Do 15. Jun 2006, 14:14

Hallo Eddie,

Auf der Internetseite des Zürcher Staatsarchivs (www.staatsarchiv.zh.ch) findest Du den Gemeindearchivführer Bezirk Dielsdorf, den Du als PDF herunterladen kannst. Unter Gemeinde Weiach ist eine Jahresrechnung aus dem Jahr 1790 zitiert und auch als Faksimile abgebildet, in der "Untervogt Bersinger" erwähnt wird.

Gruss

Thomas


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Zürcher Untervögte vor 1798

Beitrag von Eddie » Do 15. Jun 2006, 19:32

Hallo Thomas

Danke für den Hinweis. Werde zggZt berichten wie "meine" Bersinger zu den "Untervögten" Bersinger stehen.

Gruss

Eddie



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