Von Lunkhofen in Bonstetten ZH

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Thomas
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Von Lunkhofen in Bonstetten ZH

Beitrag von Thomas » Do 23. Nov 2006, 13:44

Gemäss dem Historischen Lexikon der Schweiz ist das ursprünglich aus dem Freiamt stammende, im 12. Jahrhundert aber in Zürich ansässig gewordene Rittergeschlecht "von Lunkhofen" in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ausgestorben. So nahm eine Linie der von Lunkhofen im 13./14. Jahrhundert den Namen "Snewli" einer eingeheirateten süddeutschen Adligen zunächst als Beinamen, dann als neuen Familiennamen an. Aus den Snewli wurden die Schneebeli im Knonauer Amt, genauer in Affoltern am Albis (ausgestorben) und in Aeugst.
Eine andere Linie der "von Lunkhofen" ist im benachbarten Bonstetten allerdings bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts noch nachweisbar. In den Zürcher Steuerrödeln sind in Bonstetten folgende Namensträger erwähnt:

1408:

Heini von Lungkhof von Bonstetten
Hensli vion Lungkhof von Bonstetten

1410:

Heini von Lunkhof
Hensli von Lunkhof

1412:

Hans von Lunkhof
Heini von Lunkhof
Ferena von Lunkhof

1437:

Hans Lunkhofer der elter von Bonstetten

1454:

Gilg von Lunckhoffen, sin wib
Ruedi Lunkhoffer und sin wib (dieser trug gemäss Stadtzürcher Bürgerbuch 1450 noch den Beinamen Zimbermann)

1455:

Gilg von Lungkhoffen, sin wip
Ruedy Lunckhoffer, sin wip

1457:

Gilg von Lunckhoffen, sin wib
Ruedy Lunckhoffer, sin wib

1461:

Welty von Lunkhofen und sin wib
Ruedy Zinberman und sin wib (es handelt sich um den 1454/1457 noch als Ruedy Lunckhoffer erwähnten Namensträger; hier fand offensichtlich ein Namenswechsel statt!)
Gilg von Lunckhoffen und sin wib

1463:

Welty von Lunckhoffen und sin wib
Ruedy Zinberman und sin wib
Gilg von Lunckhofen und sin wib

1467:

Welti von Lunkhofen, sin wib
Gilg von Lunkhofen, sin wib; Vren, sin tochter; Elsy, sin tochter
Hensly Zimberman, sin vogtknab (offensichtlich ein Sohn des inzwischen gestorbenen Ruedy von Lunkhofen/Zinberman

1468:

Welti von Lunkhofen, sin wib
Elly Zimberman, sin Vogtkind (offensichtlich eine Tochter des verstorbenen Ruedy von Lunkhofen/Zimberman
Gilg von Lunkhofen, wib; Elsy, ir Tochter

1469:

Waelty Lunckhoffer, sin wib
Gilgen von Lunckhoffen, wib
Jacob Schmids wib, genannt Zimbermannin (offensichtlich die Witwe von Ruedy von Lunkhofen/Zimberman, die sich mit einem Jacob Schmid wieder verheiratet hat)
Aelly Lunckhoffen, ir tochterly

1470:

Welti Lunkhofer, sin wib
Zimbermanin, ir tochter
Gilgen von Lunkhofen, wib und tochter


Was ist aus diesen "von Lunkhofen" schliesslich geworden, die offensichtlich eine Neigung hatten, die Zeichen ihrer Abstammung als habsburgische Ministeriale abzulegen?

Der Name Zimmermann (Nachkommen des Ruedy von Lunkhofen) hat sich in Bonstetten nicht halten können.

"Gilg von Lunkhofen" gilt laut dem Winterthurer Historiker und Genealogen Dr. Hans Kläui (Wappensammlung Kläui, Staatsarchiv Zürich) als wahrscheinlicher Stammvater der späteren "Gilg/Illi" von Bonstetten, durch Weitergabe seines Taufnamens als Patronym an seine Enkel. "Gilg" erscheint in Bonstetten im Glückshafenrodel 1504 erstmals als Familienname (Rudolf Gilg von Bonstetten). Frühere Genealogen (z.B. das Historisch-Biographische Lexikon der Schweiz von 1931) bezeichneten einen 1463 in Bonstetten erwähnten "Gilg Schmid" als möglichen Stammvater der "Gilg/Illi", was allerdings mit Sicherheit falsch ist: "Gilg Schmid" ist im Glückshafenrodel von 1504 ebenfalls aufgeführt, zusammen mit zwei Söhnen und drei Enkeln, die allesamt noch "Schmid" heissen.

"Von Lunkhofen" verschwand um diese Zeit auch in Bonstetten aus den Quellen.

Gruss

Thomas
- Editiert von Wolf am 23.11.2006, 17:11 -
- Editiert von Thomas am 28.11.2006, 15:48 -
- Editiert von Thomas am 28.11.2006, 15:50 -


Thomas Illi, Wolfhausen

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Von Lunkhofen in Bonstetten ZH

Beitrag von Thomas » Mi 22. Sep 2010, 10:33

Ein Hinweis auf einen möglichen Grund für die Namenswechsel der beiden Bonstetter “von Lunkhofen“, Ruedy und Gilg, findet sich in der Dissertation “Die Ächtung des Bösen, Frauen vor dem Zürcher Ratsgericht im späten Mittelalter (1400-1500)“ von Sibylle Malamud (Chronos Verlag, 2003). Sie erwähnt einen Gerichtsfall aus dem Jahr 1462 (StAZH B VI 224, fol. 9r: 1462), in den Ruedy von Lunkhofen/Zimmermann, seine Frau und Gilg von Lunkhofen verwickelt waren. Offenbar war die “Zimbermanin“ (die Frau von Ruedy) unter dem Verdacht verhaftet worden, eine Hexe zu sein. Ruedy und Gilg leistetet nun eine eine Bürgschaft (sog. Trostung) von 100 Gulden für den Urfehde-Schwur der Inhaftierten. Diese wurde schliesslich vom Zürcher Rat freigelassen. Möglicherweise war diese Angelegenheit für die Beteiligten dennoch derart ehrenrührig und peinlich, dass ein Namenswechsel angezeigt erschien.


Thomas Illi, Wolfhausen

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