Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Hilfe / Support / Aide
Hilfe / Support / Aide
Antworten
Markus
Beiträge: 505
Registriert: Di 6. Sep 2005, 19:36
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Bazenheid

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Markus » So 28. Nov 2010, 16:29

Rupperswil, d. 5 März 1863

Herrn J.J. Brunschwilers sel. ....... in Hauptwil!

Mit diesem ersuche ich Sie uns nächsten Dienstag
100 .. .. 40 ..... ..... ..... ....., zu ......
senden ich billiger, schöne farbe u. gute Qualität
erwarte

Grüsst Sie freundschaftlich

J.J. Wiget


Wer kann mir bei der Ergänzung helfen.
Was wurde bei wem bestellt?
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.


Markus Frick, Unterbazenheid
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch
Eingesetzte Software: Ages, Stammbaumdrucker, FTM, Heredis 2026

John
Beiträge: 273
Registriert: Mi 29. Jun 2005, 12:34
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Kanton Bern

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von John » So 28. Nov 2010, 20:18

Rupperswil, d. 5 März 1863

Herrn J. J. Brunschwilers sel. Vetters in Hauptwil!

Mit diesem ersuche ich Sie mir nächsten Dienstag
100 (?) (?) 40 Zettel solid roth gefärbt, zu überschiken.
Indem ich billiges, schöne farbe u. gute Qualität
erwarte
Grüsst Sie freundschaftlich
J.J. Wiget

Anmerkung: Ich vermute dass die Symbole (?) Längenmasse (Ellen, Fuss etc.) und Anzahl (Ballen, Rollen etc.) bedeuten!
Beste Grüsse John



Markus
Beiträge: 505
Registriert: Di 6. Sep 2005, 19:36
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Bazenheid

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Markus » So 28. Nov 2010, 20:34

Danke John

Was beudeutet wohl seligen Vetters........

an wen ging der Brief wenn J.J. Brunschwiler verstorben war?


Markus Frick, Unterbazenheid
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch
Eingesetzte Software: Ages, Stammbaumdrucker, FTM, Heredis 2026

John
Beiträge: 273
Registriert: Mi 29. Jun 2005, 12:34
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Kanton Bern

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von John » So 28. Nov 2010, 21:31

Hallo Markus
In Bischofszell aufgewachsen weiss ich dass Brunschweiler nicht nur bei der Gründung des Kanton Thurgau, sondern auch über Generationen in Hauptwil eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Im Internet findet man einen Ueberblick unter dem Titel "Industrielehrpfad Hauptwil-Bischofszell, Wasser - Textil - Siedlung - Papier", worin auch die Rotfarb der Brunschweiler erwähnt ist. Darin ist ersichtlich dass der Nachkomme in dritter Generation eines J.J. Brunschwiler, vermutlich Emanuel um 1863 die Färberei geführt hat. Weitere Nachkommen haben sich bis 1984 mit dem Färben von Textilien beschäftigt.

Anmerkung: Durch Anklicken der Rollen am linken Bildrand gelangt der Leser zu weiteren interessanten Informationen aus diesem virtuellen Industrielehrpfad!

Beste Grüsse John



Markus
Beiträge: 505
Registriert: Di 6. Sep 2005, 19:36
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Bazenheid

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Markus » So 28. Nov 2010, 22:25

Danke John!!!


Markus Frick, Unterbazenheid
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch
Eingesetzte Software: Ages, Stammbaumdrucker, FTM, Heredis 2026

Wolf
Moderator
Beiträge: 10590
Registriert: Sa 21. Mai 2005, 17:05
Geschlecht: Männlich
Wohnort: St.Gallen, Schweiz

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Wolf » So 28. Nov 2010, 22:39

Original von John
100 (?) (?) 40 Zettel
100 lb flo
lb = Pfund (libra)
flo = Gulden (florin)


Wolf Seelentag, St.Gallen
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch/
Eingesetzte Software: Ahnenforscher

Pili
Beiträge: 367
Registriert: Sa 31. Mär 2007, 17:41
Geschlecht: Weiblich
Wohnort: Schweiz, Thurgau

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Pili » So 28. Nov 2010, 22:41

Noch eine Idee zu den Massen:

Das Zeichen nach 100 benutzte mein Urgrossvater in jener Zeit für "Pfund" (Region Thurgau).

Könnte das Zeichen vor 40 vielleicht als "No." für Nummer gelesen werden?

Ich lese bei den Zettel "solid Roth gestärkt".


Gruss

Pili

waldy
Beiträge: 73
Registriert: Fr 5. Mai 2006, 09:33
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Thurgau

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von waldy » Mo 29. Nov 2010, 08:13

Die Anrede im Brief heisst: Herrn J. J. Brunschwilers sel. Wit(t)we in Hauptwil.
Nach dem Tod des Firmengründers Johann Joachim Brunschwiler (1759-1830) betrieb seine Witwe Anna Brunschwiler, geb. Brüschweiler (1781-1854) den Färbereibetrieb mit drei Söhnen weiter; unter dem Namen 'J.J. Brunnschweilers's sel. Witwe'. Der Firmenname blieb noch bis zum Jahre 1890 so bestehen.
Um 1863 waren die Brüder Jakob Brunnschweiler-Wettler und Emanuel Brunnschweiler die treibenden Kräfte der Färberei.

Gruss - Waldy



Pili
Beiträge: 367
Registriert: Sa 31. Mär 2007, 17:41
Geschlecht: Weiblich
Wohnort: Schweiz, Thurgau

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Pili » Mo 29. Nov 2010, 08:23

Dank an Wolf für die Erklärung des Zeichens für Pfund und Gulden.

Ich zweifle eher, dass die Zahl 40 in Verbindung zum Gulden steht. Der Währungswechsel war in der Ostschweiz um 1852 erfolgt. In den darauf folgenden 1850er Jahren trifft man in alten Dokumenten noch auf die alte Währung, manchmal zusammen mit der neuen Währung. Aber nach 1860 ist das eher unwahrscheinlich.


Gruss

Pili

Walter
Supporter 2022
Beiträge: 3560
Registriert: Mi 30. Nov 2005, 09:36
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Region Basel

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Walter » Mo 29. Nov 2010, 08:33

Original von waldy
Die Anrede im Brief heisst: Herrn J. J. Brunschwilers sel. Wit(t)we in Hauptwil.
Eigentlich: .... sel. Wittw. (Abkürzung für Witwe)
Inhaltlich ist das natürlich das Gleiche ;-)


LG, Walter

Meibu
Beiträge: 164
Registriert: Fr 25. Apr 2008, 13:49
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Meibu » Mo 29. Nov 2010, 20:50

Hallo Markus
Hier meine übersetzung.

Rupperswil, d. 5. März 1863
Herrn J. J. Brunschwilers sel. Witter in Hauptwil!
Mit diesem ersuche ich Sie mir nächsten Dienstag 100 Pfund No. 40 Zettel solid Roht gefärbt zuüberschiken.
Sodann ich billiges, schöne farbe un gute Qualität erwarte Grüsst Sie freundschaftlich J. J. Wigat.

Nun meine Interpretation.
Mit diesem Brief ersucht Herr J. J. Wigat, Herrn J. J. Brunschwiler bis nächsten Dienstag ihm 100 Pfund No.40 Zettel solid Roth gefärbt zu überschicken.
Hier vermute ich das es sich um 100 Pfund, also 50 Kilo, Stoff handelt mit der bezeichnung No. 40 Zettel der Roth eingefärbt werden soll.

Gruss
Meibu
Christof Meissburger.


Mit vielen Grüssen aus Basel

Christof Meissburger

Stephleuen
Beiträge: 707
Registriert: Sa 15. Dez 2007, 14:13
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Bern

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Stephleuen » Di 30. Nov 2010, 07:39

Hier wurden Zettel zur Webvorbereitung bestellt nicht etwa Notizettel.

Mit dem Zetteln wird der Webstuhl, die Kettfäden, zur Weberei vorbereitet.

Die Längsfäden eines Stück Tuchstoff oder TExtilien werden Kettfaden genannt der Querfaden ist der Schuss.

Beim Zetteln werden die Kettfäden auf Teilkettbäume aufgewickelt. Dies dient der Vorbereitung zum Webvorgang. Von den Teilkettbäumen, welche die Kettfäden in voller Webbreite enthalten, werden diese von den Teilkettbäumen auf den Kettbaum des Webstuhls übertragen. Diese Webvorbereitung geschieht auf der Zettelmaschine.

Anders ausgedrückt wurden Kettfäden bestellt. Diese sind auf Rollen bzw. aufgehaspelt - Zwirn.

Beste Grüsse

Stephan Leuenberger



Stephan Leuenberger
Mitglied bei:
Historischer Verein des Kantons Bern
Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung
Genealogisch Heraldische Geselschaft Bern
Jahrbuchvereinigung Oberaargau

Stephleuen
Beiträge: 707
Registriert: Sa 15. Dez 2007, 14:13
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Bern

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Stephleuen » Di 30. Nov 2010, 07:54

Übrigens im Idiotikon findet sich eine Menge Infos zum Zettel

auch hier http://www.fashion-base.de/Modelexikon/zetteln.htm+

Gruss

Stephan Leuenberger



Stephan Leuenberger
Mitglied bei:
Historischer Verein des Kantons Bern
Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung
Genealogisch Heraldische Geselschaft Bern
Jahrbuchvereinigung Oberaargau

Aspis
Beiträge: 701
Registriert: Mi 16. Mai 2007, 11:58
Geschlecht: Männlich
Wohnort: CH, ZH

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Aspis » Di 30. Nov 2010, 09:11

Ich nehme an, der alte Ausdruck "sich verzetteln", rührt auch daher.


Gruss Theo

Gebiete: Bruggmann Degersheim-Magdenau/SG, Strässle Bütschwil/SG, Mumenthaler Trachselwald/BE, Maibach Dürrenroth/BE, Mosimann Lauperswil/BE, Vogel Bütschwil/SG, Widmer Altnau/TG, Feybli Einsiedeln/SZ

Stephleuen
Beiträge: 707
Registriert: Sa 15. Dez 2007, 14:13
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Schweiz, Bern

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Stephleuen » Di 30. Nov 2010, 09:51

Original von Pili
Dank an Wolf für die Erklärung des Zeichens für Pfund und Gulden.

Ich zweifle eher, dass die Zahl 40 in Verbindung zum Gulden steht. Der Währungswechsel war in der Ostschweiz um 1852 erfolgt. In den darauf folgenden 1850er Jahren trifft man in alten Dokumenten noch auf die alte Währung, manchmal zusammen mit der neuen Währung. Aber nach 1860 ist das eher unwahrscheinlich.
Die Zahl 40 steht für die Farbnummer. Garnfärber arbeiten mit einem Zahlencode. Die Farb Rot Nr. 40 ist vielleicht heute noch erhältlich.

Wie Meibu weiter unten erklärt geht es bei den 100 Pfund nicht um einen Geldbetrag sondern um das Warengewicht der Bestellung; 50 Kilo Zwirnfaden zum Zetteln der als Kettfaden gespannt werden soll. Das ist etwa so viel es brauchen würde um den Berner Münsterturm zu umgarnen.

Kettfäden müssen stärker und belastbarer sein als der Schussfaden. Normale Fäden bestehen aus gesponnenen Fasern. Im Zwirn werden mehrere Fäden zusammen gedreht. Mehrer solche zusammengedrehte Fadenzwirne ergeben einen Zwirn. Zum Färbverfahren, je nach dem werden ganze Zwirne eingefärbt, was sicher rationell und wirtschaftlich ist aber bedeutende nachteile in der Farbqualität aufweisst. Werden bereits die Fäden eingefärbt und erst dannach zum Zwirn gesponnen entseht eine bessere Qualität in der Farberscheinung.

Gruss

Stephan Leuenberger



Stephan Leuenberger
Mitglied bei:
Historischer Verein des Kantons Bern
Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung
Genealogisch Heraldische Geselschaft Bern
Jahrbuchvereinigung Oberaargau

Markus
Beiträge: 505
Registriert: Di 6. Sep 2005, 19:36
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Bazenheid

Brief von Bazenheid nach Hauptwil 1863

Beitrag von Markus » Di 30. Nov 2010, 20:09

Herzlichen Dank allen eifrigen Helfern.
Es ist sehr spannend wie ein kleines Brieflein ein sehr interessantes Thema zum Vorschein bringt!


Markus Frick, Unterbazenheid
Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Ostschweiz (GHGO) - https://www.ghgo.ch
Eingesetzte Software: Ages, Stammbaumdrucker, FTM, Heredis 2026

Antworten

Zurück zu „Lesen/Reading/Lecture & Transcriptions“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste