Stössel von Ingenbohl SZ

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Chrissel
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Stössel von Ingenbohl SZ

Beitrag von Chrissel » So 19. Mär 2023, 15:04

==>> Fischlin Justus Wendelin (* 02.03.1719 + 07.01.1793) oo Stössel Anna Maria (*? Gesucht - + 20.04.1757)
Dieser Fischlin hat Weggis verlassen und zog nach Ingenbohl/Brunnen oder Schwyz. Als er starb, war er Capellvogt.

Geheiratet haben er und Anna Maria am 24.04.1752 in Schwyz (zumindest ist die Ehe im dortigen Kirchenbuch eingetragen). Sie ist aber nicht in Schwyz geboren. Unter den dortigen Stössel habe ich sie nicht gefunden.

Frage: forscht noch jemand an den Stössel, die im Talkessel Schwyz beheimatet waren (Schwyz oder Ingenbohl)?

Die Stössel wurden (wie so viele andere Geschlechter) 1798 ins Landrecht aufgenommen, leider stand nicht wo.

Von Anna Maria Stössel gibt es einen Sterbebuch-Eintrag auf Lateinisch, kann mir jemand beim übersetzen helfen? Vielen Dank.
1757 Fischlin geb Stössel Sterbebuch.PNG
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Zuletzt geändert von Chrissel am So 19. Mär 2023, 17:34, insgesamt 1-mal geändert.



Wolf
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Re: Stössel von Ingenbohl (Brunnen) Bitte um Lesehilfe

Beitrag von Wolf » So 19. Mär 2023, 15:32

Frage vorneweg: aus welcher Pfarrei stammt dieses Kirchenbuch (Schwyz?) … und was für eine Art Register ist es? Es sind ja anscheinend zwei Todesfälle in einer Familie (also kein chronologisches Sterberegister):

Am 07.02.1754 verstirbt ein (namenloses) Kind des Wendel Fischlin.

Am 20.04.1757 verstirbt Anna Maria Stössel, Ehefrau des Justus Wendel (Fischlin) zu Ibach, 12 Wochen nach der Geburt(?) einer Tochter.

Andere Mitglieder, deren Latein noch nicht so eingerostet ist wie meines, können hoffentlich mehr sagen.


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Re: Stössel von Ingenbohl (Brunnen) Bitte um Lesehilfe

Beitrag von Chrissel » So 19. Mär 2023, 16:49

Ja der Eintrag stammt aus der Pfarrei Schwyz, die Fischlin lebten in Ibach. Einer der Pfarrer hat dort zum Teil Register angelegt, das hier hat er als Text ins Sterbe-Register geschrieben, wohl um den Text zu erhalten, weil man das Original im Sterbebuch kaum entziffern kann. Dass sie im Kindsbett gestorben ist, ist gut möglich. Wie geschrieben, weiss ich nicht wie alt sie war. Fischli und Stössel hatten am 24.04.1752 ebenfalls in Schwyz geheiratet. Da war Fischli 33 Jahre alt.
Er starb 1793 75-jährig (er war noch 2 weitere Male verheiratet).

Auf jeden Fall schon mal herzlichen Dank fürs übersetzen!



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Re: Stössel von Ingenbohl (Brunnen)

Beitrag von Peter.D » So 19. Mär 2023, 19:53

Wolf hat geschrieben: So 19. Mär 2023, 15:32 12 Wochen nach der Geburt(?) einer Tochter.
Ich lese: peperit filium, (sie) hat einen Sohn geboren.

Was mit den drei Zeugen weiter unten im Text gemeint ist, verstehe ich aber nicht. Monte Regio bezeichnete die Rigi; ein katholischer Pfarrer kann die letzen beiden Satzteile vermutlich besser deuten als ich !

Peter



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Re: Stössel von Ingenbohl (Brunnen)

Beitrag von Chrissel » So 19. Mär 2023, 20:36

Vielen Dank Peter.

Mir ist gerade das Licht in der letzten Zeile aufgegangen

Bma (steht für Beata) Maria Virgine in Monte Rigis heisst Selige Jungfrau Maria zur Rigi.

Ich werde morgen Mal suchen ob es da eine Kirche/Kapelle gab, wo man vielleicht die Seelenmesse gelesen hatte. Die Fischlins hatten eine eigene Hauskapelle in Ibach/SZ die "Maria Krönung" genannt war.

und in der zweitletzten Zeile steht:
jurate trium testimone invocata
was bedeutet:
der Eid von drei Zeugen wurde angerufen

Sehr ungewöhnlich, so etwas habe ich in unseren Kirchenbüchern sonst noch nie gelesen. Habe sowieso sehr selten solche *Anhängtexte" in einem Sterbebuch gelesen. Aber so langsam verstehe ich, weshalb der Autor des Register (es muss ein Dorfpfarrer zu einem späteren Zeitpunkt gewesen sein) das Gefühl hatte, er muss diesen Text in ordentlicher Handschrift im Register mit erfassen - es scheint ihm wichtig gewesen zu sein.



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Re: Stössel von Ingenbohl SZ

Beitrag von Chrissel » Di 21. Mär 2023, 14:54

Ich habe soeben realisiert, dass im Sterberegister gar nicht der ganze Text aus dem Sterbebuch übernommen wurde. Der Original Text ist viel länger. Hier nochmals meine Bitte um Lesehilfe mit dem kompletten Text:
Schwyz-Tod-17570420-Stössel.jpg
Anna Maria Stössel, uxor Justus Wendelini Fischlin, starb am 20. April 1757 zu Schwyz
(das Bild ist aus mehreren Teilen aus 2 Seiten im Kirchenbuch zusammen geklebt)
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Re: Stössel von Ingenbohl SZ

Beitrag von Chrissel » Mo 27. Mai 2024, 16:43

Das Rätsel ist gelöst! Danke an meinen Forscherkollegen Eugen von der GHGO!

Zuerst, der Vollständigkeit halber die Korrektur von Anna Maria Stössels Lebensdaten:
Geboren am 19.09.1722 in Ingebohl / SZ, Tochter des Martin Stössel und der Maria Anna Marty. Gestorben am 20.04.1757 in Ibach /SZ

Geheiratet hatten Fischlin und Stössel am 24.04.1752 in Einsiedeln. Die Verehelichung wurde dann im Ehebuch Schwyz übernommen. Fischlin war zu dem Zeitpunkt bereits einmal verwitwet mit 4 Kindern.

Hier der lateinische Text und die deutsche Übersetzung:
Der Eintrag im Sterbebuch
Fischlin
1757.20. April geb. Stössel Anna Maria ux Justi
Wendelin zu Ibach. Obiit post-
quam peperit filium 12. heb????
???? mortuum sed iuxta edicta
iurata trium testium invocata
(St)me (Sanctissime) Maria Virgine in monte regis
Zum kalten bach genant mira-
culose redivivium, qui suspecta
Batismi Sacramento denuo ex
hac calamitosa ac angelica
in coelis discessit et cum
matre sepulturae christi-
anae tracitus fuit.
Gloria, laus set gratia sint
Deo ejusquo Sancifi ???? matri
Mariae Angelorum Reginae
immaculatae

Freie Übersetzung auf Deutsch:

Am 1757.20. April ist die geborene Anna Maria Sössel, Ehefrau von Justus Wendelin Fischlin von Ibach verstorben, nachdem sie einen Sohn geboren hat.
Aber unmittelbar nach dem Sterben des Sohnes hat, so bekräftigen drei Zeugen, die angerufene heiligste Jungfrau Maria vom Berg zum Kalt Bach genannt, ihn auf wundersame Weise ins Leben zurückgeholt und er empfing das erhoffte Sakrament der Taufe bevor er wieder ins bedauernswerte und engelgleiche Leben hinüber ging.
Er entschwand in den Himmel und wurde mit seiner Mutter nach christlichem Gebrauch beerdigt
Ehre, Lob und Dank seien Gott und seiner Mutter Maria, der Königin der Engel


Warum sich der Pfarrer die Mühe dieses Eintrages gemacht hatte, wurde mir erst durch die von Eugen verfassten Übersetzung klar. Es geht um das Thema «totgeborene, ungetaufte Kinder» mit der Betonung auf ungetauft. Die Praxis der «Wiedererweckung» totgeborener Kinder zwecks Taufe wurde von der Kirche abgelehnt. Die Michaels-Kapelle auf Rigi-Kaltbad war aber dafür bekannt, dass dort solche Taufen durchgeführt wurden. So hat auch dieser Pfarrer– weil drei Zeugen die «Lebendtaufe» bezeugten – zwar im Sterberegister das Kind aufgeführt, jedoch ohne Namen! Ins Taufregister hat er diesen Fischlin-Sohn nicht eingetragen.


Hier ein paar Links, die ich für das Aufarbeiten dieses sehr traurigen und auch bedrückenden Kapitels in meiner Familiengeschichte verwendet habe:

Müller, Iso - Zur Taufe totgeborener Kinder im Bündnerland
https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=s ... 8:54::205


Lindenhofer, Petra - "Traufkinder" - ein besonderer Umgang mit ungetauft verstorbenen Kindern in der Frühen Neuzeit
https://phaidra.univie.ac.at/detail/o:1287140


Joos, Fritz - Ein merkwürdiger Fund Pfäferser Pfarrbuch : die Taufe toter Kinder
https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=f ... 83:0::232


Schwyzer, Pius - Kindertod, Mütterleid und ewige Seligkeit
https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=w ... %3A%3A254



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Re: Stössel von Ingenbohl

Beitrag von Säntis » So 2. Jun 2024, 07:17

Grüezi Chrissel,

zu Traufkinder auch im Thread Traufkinder im Glossar.

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