Die Bischof(f) Familien im Kanton Thurgau

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Adam
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Die Bischof(f) Familien im Kanton Thurgau

Beitrag von Adam » So 6. Mai 2007, 14:06

Bischof von Stettfurt TG
In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit den im Kanton Thurgau verbürgerten Bischof Familien, aber insbesondere mit denen meiner Heimatgemeinde Stettfurt TG, befasst. Im fürstenbergischen Lehenbuch sind bereits 1540 als Handlehenleute ein Conrad und ein Hans Bischof in Stettfurt erwähnt. Im ersten Bevölkerungsverzeichnis der reformierten Kirchgemeinde Wängi, zu der Stettfurt damals gehörte, sind schon 1634 sechs Bischof-Familien mit 17 Kindern verzeichnet. Somit gilt die Familie Bischof in Stettfurt als alteingesessene Familie.

Meine Nachforschungen in den Kirchenbüchern und Zivilstandsregistern haben eine grosse Anzahl von Vorfahren und heute noch lebenden Nachkommen zu Tage gebracht. So konnten insgesamt 629 Personen und 240 Eheschliessungen (inkl. Tochter-Ehen) erfasst und in einem Buch publiziert werden.

Die Publikation
"440 Jahre Familiengeschichte der Bischof von Stettfurt TG von 1566 bis 2006" mit 28 Stammtafeln steht in der Kantonsbibliothek Frauenfeld, der Kantonsbibliothek Vadiana in St. Gallen und in der SGFF-Bibliothek in Bern zur Verfügung.

Namensdeutung
Manche Familiennamen sind Übernahmen, die man sich nicht selbst gegeben hat, sondern von dem lieben Nächsten wohl oder übel annehmen musste. Wenn ein Bauer den Titel eines hohen Herrn hat, wie z.B. König, Herzog, Graf oder Bischof, so wird der so Benannte sicher den Namen nicht selber erfunden haben. Man vermutet, dass diese Namen durch die Fastnachtsspiele entstanden sind, wo ein biederer Bürger in einer derartig hohen Rolle auftrat und den Titel dann für immer als Übernamen behielt.

Schreibweise
Die Doppel-ff Schreibweise ist bei den Stettfurter Bischof-Familien mit wenigen Ausnahmen, bis zur Einführung des eidgenössischen Zivilstandsregisters im Jahre 1876, grossmehrheitlich die Regel gewesen. Mit der neuen Registerführung wurde im Kanton Thurgau, ausser im Bezirk Weinfelden, die amtlich verbindliche Schreibweise mit einem f festgelegt und auch durchgesetzt.

Familienwappen
Unsere Landbevölkerung im Thurgau war bis Ende des 18. Jahrhunderts leibeigen und untertan. Wie hätte sie unter solchen Umständen Siegel und Wappen, die Vorrechte der regierenden Stände und des ritterlichen Adels, führen dürfen? Es ist nicht bekannt, und es besteht keine Gewissheit, ob die Familie Bischof von Stettfurt je einmal ein Siegel geführt, eine Wappenscheibe besessen, oder an einer "öffentlichen Stätte" Recht gesprochen hat. Aus diesem Grunde ist auch kein eigenes, uns zu Recht zustehendes Familienwappen im Staatsarchiv oder in einem privaten Familienbesitz zu finden. Ich habe mich deshalb für eine Neuschöpfung entschieden.

Bild
Die Blasonierung lautet:
Auf rotem Schild ein goldener Dreiberg. Darauf das kreuzähnliche Hauszeichen der Familie Bischof in Silber, welches aus einem Urkundensiegel von 1501 abgeleitet wird, entnommen aus dem Nachtrag im Thurgauer Wappenbuch. Die Tinkturen entsprechen dem Gemeindewappen von Stettfurt TG. Das Wappen ist eine Neuschöpfung, gezeichnet von Ernst Schlappritzi in Arbon.

Weitere Thurgauer Bischof-Bürgerorte
Thundorf (seit 1808) - ein Zweig der Bischoflinie von Stettfurt
Amriswil (seit vor 1634)
Dünnershaus heute Langrickenbach seit vor ??
Hohentannen (seit vor 1634)

Bischoff (Doppel ff)
Birwinken (seit vor 1634)
Mattwil (seit 1690) - ein Zweig der Bischoflinie von Birwinken
Weinfelden (seit vor 1634)

Bischof von Thundorf TG
Der Stettfurter Bürger Jakob Bischof (1785-1863) hat sich 1808 in Thundorf eingebügert und dabei auf das ursprüngliche Stettfurter Bürgerrecht verzichtet. Dieser Familienzweig wird zur Zeit aktuell bearbeitet.

Adam Bischof, Frauenfeld



Thomas
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Bischof(f) im Kanton Thurgau

Beitrag von Thomas » Mo 7. Mai 2007, 16:50

Ich möchte darauf hinweisen, dass bereits im Zürcher Glückshafenrodel von 1504 eine "Annli Byschof von Wëngi" erwähnt ist. Wängi liegt ja in unmittelbarer Nähe zu Stettfurt.

Gruss

Thomas


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Bischof(f) im Kanton Thurgau

Beitrag von Konstantin Huber » Mo 7. Mai 2007, 19:58

Hallo Adam,

Gratulation zur prima gelungenen Startseite dieses Threads!
Eine Ergänzung möchte ich noch zur Namendeutung geben: In vielen Städten hatten die Häuser sogenannte Hausnamen, die bis heute in Wirtshausnamen weiterleben und bisweilen auch noch auf den Gebäuden angebracht sind, z.B. in Stein am Rhein SH. Aus diesen Namen können Familiennamen als Wohnstättennamen entstanden sein; ich denke, das könnte auch auf Bischof(f) zutreffen.

In der Gemeinde Dietlingen bei Pforzheim gibt es übrigens seit Jahrhunderten so viele Familien Bischoff, dass das Dorf im Volksmund "Bischoffingen" genannt wird.


Konstantin Huber

Adam
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Bischof(f) im Kanton Thurgau

Beitrag von Adam » Mi 9. Mai 2007, 09:35

Thomas und Konstantin, besten Dank für die Zusatzinformationen.

Bischof von Wängi
Nebst der Annly Byschoff im Zürcher Glückshafenrodel von 1504, wird in einer Mannschaftsliste des Müsserkrieges von 1531 in Wengi (heute Wängi) auch ein Heini Bischoff erwähnt. Weil aber Lebensdaten fehlen und die Kirchenbücher erst 1631 beginnen, gilt eine Vorfahren Zuordnung der Beiden, zu dem in der Nachbargemeinde Stettfurt erwähnten Bischofstamm möglich, aber nicht gesichert.

Bischof Namensdeutung
Die einzig richtige Deutung eines Familiennamens wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Gibt es doch unzählige Möglichkeiten einen Namen zu deuten. Nebst der Ableitung von Hausnamen ist es auch möglich dass der Name Bischof auf einen früheren Wohnort in einer Bischofsstadt zu einer Familiennamensbildung geführt hat oder, dass der Namensträger als Leibeigener auf einem, dem Bischof von Konstanz gehörenden Bauerngut sass, oder sogar im Dienst eines kirchlichen Bischofs stand. Die im Thraed verwendete Deutung beruht auf einer Publikation des bekannten Thurgauer Historikers Ernst Leisi von 1941, welcher die Entstehung der Thurgauer Familiennamen nachgeforscht und so auch interpretiert hat.

Adam Bischof



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Bischof(f) im Kanton Thurgau

Beitrag von Thomas » Mi 9. Mai 2007, 10:23

Die im Thread verwendete Namensdeutung (Spitzname beziehungsweise Benennung nach einer Bischofs-Rolle in einen mittelalterlichen Schauspiel) entspricht übrigens auch jener im Buch "Zürcher Familiennamen" für Bischof(f) mit alten Zürcher Bürgerrechten (aktiv nur noch Wald, frühe Vorkommen aber vor allem in Fischenthal.

Gruss

Thomas


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Bischof(f) im Kanton Thurgau

Beitrag von Adam » Di 22. Jun 2010, 10:25

Bischof von Thundorf TG
Nun sind auch die Thundorfer Bischof-Bürgerfamilien erforscht und in einer Publikation festgehalten. Der Stettfurter Bürger Jakob Bischof (1785-1863) hat sich mit seiner Ehefrau Dorothea Erni 1808 in Thundorf eingebürgert und etwas später auf das urspüngliche Stettfurter Bürgerrecht verzichtet. Aus dieser abzweigenden Stammlinie sind bis heute 192 Personen mit 84 Eheschliessungen, einschliesslich der Tochter-Ehen, in einem Stammbaum aufgezeichnet. Somit sind nun alle vom Stettfureter Stammvater Hans Heinrich Bischof, geb. 1566, abstammenden Nachkommen erforscht und in Publikationen festgehalten.

Adam Bischof



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