Heusser von Männedorf ZH

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Heusser von Männedorf ZH

Beitrag von Wolf » Mi 23. Jul 2014, 19:01

Philipp Heusser ist in der "Matricula studiosorum theologiae" der Universität Heidelberg von 1616 bis 1619 als "Heidelbergensis Palatinus" nachgewiesen, dürfte also um bzw. kurz vor 1600 geboren sein. Nach seinem angenommenen Lebensalter und seiner mutmaßlichen Studiendauer dürfte er um 1621 mit seiner Ausbildung fertig gewesen sein. Zu dieser Zeit gab es kriegsbedingt in Heidelberg keine Anstellungsmöglichkeit mehr. Andernorts wird man auf ihn als Flüchtling nicht unbedingt gewartet haben und ihm auch nicht sogleich eine Anstellung als Pfarrer haben anbieten können. In derartigen Fällen haben ordinierte Theologen die Wartezeit oft als Lehrer überbrückt.

Im "Thurgauer Pfarrerbuch" (Sulzberger, Biographisches Verzeichniß der Geistlichen aller evangelischer Gemeinden des Kantons Thurgau von der frühesten Zeit bis auf die Gegenwart, 1863, S. 23) wird er dann als Ulrich Philipp Heusser 1627-29 als Pfarrer in Felben TG, 1629-32 in Sitterdorf sowie 1632-49 in Hüttlingen TG geführt. Ulrich Philipp Heußer erhielt 1647 das Bürgerrecht zu Zürich und erneuerte es am 21.7.1659 (Hans Heußer, Deutsches Geschlechterbuch Bd.77, 1932, S.12). Sulzberger (S.26): "Nach Beendigung des 30jährigen Krieges verabschiedete er sich den 23. Oktober 1649 bei der zürcherischen Synode und kehrte wieder in seine Vaterstadt zurück, wo er Pfarrer bei St. Peter wurde". Am 21.01.1660 trägt er sich in Heidelberg ins Stammbuch des Johann Heinrich Fries (Schweizerische Landesbibliothek in Bern) ein.

Sein Vater war Bürger in Männedorf ZH gewesen, dann aber in die Pfalz ausgewandert (Sulzberger). Die einzige Familie Heusser/Heuser/Huser, die im Zeitraum zwischen 1569 und 1600 (bis 1588) Kinder in Männedorf taufen liess, waren Nikolaus Heusser oo Männedorf 26.08.1568 Margaretha Syfrig ... diese Abstammung wird also nur vermutet.

Wo hat sich Philipp Heusser zwischen 1621 und 1627 aufgehalten bzw. wann genau hat er wo die Maria Spilger geheiratet? Der Heiratseintrag könnte evtl. auch die Abstammung bestätigen. In Felben findet sich kein Heiratseintrag. Auch wenn er in Zürich nicht als Pfarrer tätig war (im Pfarrerbuch nicht genannt), könnte er dort anderweitig beschäftigt gewesen sein und geheiratet haben: kann evtl. jemand die Zürcher Heiratsdatenbank kontrollieren? Es ist natürlich auch möglich, dass er noch in Deutschland geheiratet hat.

Seine in der SEHUM-Datenbank genannten Kinder (und vermuteten Geschwister) finden sich im Anhang.
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Re: Heusser von Männedorf ZH

Beitrag von Wolf » Fr 25. Jul 2014, 11:37

Hans Ulrich Pfister schreibt auf der SGFF-Mailingliste:
Philipp Heussers Heirat ist in der Ehedatenbank des Staatsarchivs Zürich nicht enthalten.

Heusser kam 1626 nach Zürich und legte dem Rat eine Supplikation vor. Der Eintrag im Ratsmanuale der Stadt Zürich am 26. Juni 1626 lautet (StAZH B II 374, S. 69): "Was Herrn Philipp Heüßers geweßnen Predicanten zu Bürstatt in der Unnderen Pfaltz halber erkhendt worden, ist uff syner Supplication verzeichnet."
Mit Bürstadt (nördlich Mannheim) ist somit ein Ansatzpunkt für weitere Recherchen gegeben.
Norbert Emmerich antwortet darauf:
Die Kollatur von Bürstadt im Hessischen Ried stand dem Kurfürsten von der Pfalz zu. Der letzte reformierte Pfarrer von Bürstadt war von 1619 bis 1624 Johann Gottfried Klein, der 1624 bei Einführung des katholischen Bekenntnisses abgesetzt wurde (Wilhelm Diehl, Pfarrer- und Schulmeisterbuch für die Provinz Rheinhessen und die kurpfälzischen Pfarreien der Provinz Starkenburg, Darmstadt 1928, S. 338, 339). Als Pfarrer war Philipp Heusser dort also nicht tätig - und auch nicht anderenorts in Rheinhessen. Der "Predicant" lt. Ratsmanuale der Stadt Zürich vom 26.6.1626 könnte dahingehend zu deuten sein, daß er nur Diakon war. Als solcher ist er aber ebenfalls nirgends erwähnt. Auch war es eher unwahrscheinlich, daß in dem kleinen Bürstadt am Rande der kurpfälzischen Einflußzone und bei der damaligen politischen Situation neben dem Pfarrer noch ein Diakon installiert war. Die weiteren Recherchen werden also spannend bleiben. Gut aber, daß es jetzt einen Ansatzpunkt gibt.


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Re: Heusser von Männedorf ZH

Beitrag von Wolf » Do 14. Aug 2014, 21:28

Hans Ulrich Pfister schreibt weiter:
Die Originale der Bürgerbücher der Stadt Zürich werden im Stadtarchiv Zürich aufbewahrt:
III.A. 1. Bürgerbuch der Stadt Zürich 1336-1545
III.A. 2. Bürgerbuch der Stadt Zürich 1545-1723

Im Staatsarchiv liegt eine im Jahr 1884 erstellte Abschrift der beiden Bürgerbücher (StAZH X 254.1-2) und die Kopie einer Verkartung der Einträge, alphabetisch abgelegt (StAZH X 254.3-9). Die nachfolgende Passage habe ich der Verkartung entnommen (StAZH X 254.4):
Als Herr Phillipp Hüser, Predicant zu Hüttlingenn im Thurgöüw, deßen Vatter sel. ein Lanndkind gewesen, A° 1626 uß der churf. Pfaltz exulierend alhar kommen und uf syn Supplication nit allein mit einer ansechenlichen Bystühr begabet, sondern ouch, wie er ime niemaln anderst yngebildet, mit dem Burgrechten verehrt worden, maßen er under gemeiner Statt Insigel ein Burger genammset und aber etwas Versumnus fürgefallen, inndem er den Burgereid nit erstattet, ouch berührte Supplication (uff deren die Ercantnus von A° 1626 lut Manuals verzeichnet) verlegt, glychwoln inn ryfer Erwägung aller Umbständen die Sach angeregter maßen sich zutreit und begeben haben muß, ward erkendt, das in Ansehung deßen und synes Wolverhaltens nun über 20 Jahr uff Kilchenstännden im Turgöüw, er und syne Kinder ohne alle Entgeltnuß für Burgere gehalten werden söllind. Daruff hat er den gwohnlichen Burgereid geschworen. Beschach Sambstags den 18den Decembris 1647.
Philipp Heusser wurde am 24. Juni 1594 in Heidelberg geboren und starb daselbst am 4. April 1660. Seine Eltern waren Heinrich Heusser, Bürger und Rat, und Katharina Streitacker. Philipp Heusser absolvierte 1621 sein Examen. In der Folge wurde er Pfarrer in Bürstadt bei Worms, wo er so lange wirkte, bis er durch die Umstände gezwungen wurde, eine andere Wirkungsstätte zu suchen. Hier der exakte Wortlaut der Passagen:
Vitam in secundis debuit Henrico Heusero patri, spectatissimo Viro, Civi & Senatori urbico; atque etiam Catharinae Streitackerin matri, lectissimae foeminae.
bzw.
Pastor inde in Bürstatt propè Wormatiam, publicâ authoritate constitutus; ubi tamdiu praefuit, donec statione Martis injuriâ pulsus, novas sibi sedes quaerere cogeretur.
Diese Informationen entnehme ich einem Einblattdruck, mit welchem der Prorektor der Universität Heidelberg den verstorbenen Philipp Heusser würdigte und zu dessen Bestattung einlud (Heidelberg, 7. April 1660). Der Text ist in lateinischer Sprache abgefasst und enthält auch ein paar wenige Einschübe in griechischer Sprache. Das Blatt ist im Staatsarchiv Zürich in den Akten Kurpfalz (StAZH A 187.3, Nr. 75) zu finden.


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