Indizien für eine Auswanderung.

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Astacus

Indizien für eine Auswanderung.

Beitrag von Astacus » Sa 4. Sep 2010, 09:18

Ich habe kürzlich eine Cousine meines verstorbenen Vaters besucht, um mehr über diese Seite der Familie zu erfahren. Wie anzunehmen, ergab sich erfreuliches und Tragisches...
Vieles von welchem ich bislang keine Ahnung hatte, erfuhr sie aus erster Hand, von meinem Urgrossvater, anderes ist wohl geschönt oder wurde durch logische Kombination zur Wahrheit erklärt... Tatsache ist:

Mein Ur-Urgrossvater, Friedrich Krebs (1) (*1834), heiratete 1861 meine Ur-Urgrossmutter, Elisabeth von Allmen. (*1838) Mein Urgrossvater Friedrich Krebs (2) wurde 1862 geboren. Als dessen Mutter bereits 1870 starb, brachte ihn sein Vater in ein Heim in Herzogenbuchsee und wanderte danach in die USA aus, bzw. „verschwand“ einfach...

Er verschwand tatsächlich..., selbst das Zivilstandsamt kennt sein Todesdatum nicht, sein Sohn hat ihn nie mehr gesehen... Im Passregister ist allerdings kein Eintrag zu finden.
Daraus ergeben sich einige Fragen...: War es möglich ohne Pass auszuwandern, wie genau sind die Passregister und deren Index... usw.
Was sind eure Erfahrungen, habt ihr selber Auswanderer ausfindig gemacht, welche scheinbar ohne Pass ausgewandert sind, bzw. für deren Auswanderung es keine Indizien gab und welche Wege der Auswanderung gab es im 19. Jahrhundert?

Gruss Andreas



Ulrich
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Indizien für eine Auswanderung.

Beitrag von Ulrich » Sa 4. Sep 2010, 15:27

Hallo Andreas,
normalerweise musste sich ein Ausreisewilliger in seinem Heimatort abmelden. Danach wurde nachgeschaut ob die Person ausreisen durfte, hier ging es auch um Verbindlichkeiten dritten gegenüber, hatte er Schulden war Vermögen da. Wenn er diesen Weg beschritt wurde festgelegt wieviel er für seine Ausreise bezahlen musste (nicht die Fahrt sondern eine Gebühr oder Steuer wie man das auch nennen mag. Für viele war das viel zu viel, deshalb entschieden sie sich für eine heimliche Ausreise, bei Nacht und Nebel. In diesen Fällen wurde das vorhandene Hab und Gut vom Staat eingezogen und zur Versteigerung freigegeben. Wenn nicht Verwandte da waren welche die Schulden übernahmen.
In den amtlichen Mitteilungen der damaligen Zeit wurden solche Versteigerungen auch öffentlich bekannt gemacht (du kannst mal in einer Bibliothek in deiner Nähe nach diesen Mitteilungen fragen, oftmals sind diese in den Landesbibliotheken vorhanden).
Das gute daran ist auch dass man hier einen Einblick bekommt in die Lebensverhältnisse unserer Vorfahren der damaligen Zeit.
Frag auch mal am Wohnort nach den Meldeunterlagen des Sohnes, der Person welche ausgewandert ist. Vielleicht hast du Glück und es befindet sich auch ein Vermerk auf dieser wegen der Auswanderung.


gruss

Uli

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Astacus

Indizien für eine Auswanderung.

Beitrag von Astacus » Sa 4. Sep 2010, 21:38

Hallo Ulrich
Danke für deine Ausführungen.
Die finanziellen Verbindlichkeiten bei einer Auswanderung, waren mir grundsätzlich bekannt. Dies ist ja heute nicht viel anders, Vater Staat will noch die Steuern, bis er seine Kinder ziehen lässt...
Die Unterlagen meines Urgrossvaters, welche über ihn im Heim geführt wurden, sollen gemäss Vorabklärungen noch vorhanden sein, ich werde mich bemühen diese sichten zu können. Dies könnte dann mehr Licht in die Sache bringen.

Dass mein Ur-Urgrossvater ohne Pass, in einer Nacht und Nebel Aktion das Weite gesucht hat, wie du es ausdrückst, halte ich für wahrscheinlich. Modern ausgedrückt wäre er dann ein "Sans Papier" gwesen. Da stellt sich dann die Frage, wie die Auswanderung ablief... Mein Ur-Urgrossvater als Boatpeople...? Ich glaube, dass er kein Einzelfall war und zwingt mich, den sozialen Status seiner Familie zu überdenken.

Grundsätzlich: Gibt es Indikatoren, dass jemand ausgewandert ist, wie z.B. vermerke in Dokumenten?

Gruss Andreas



hhg
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Indizien für eine Auswanderung.

Beitrag von hhg » So 5. Sep 2010, 07:16

Hallo Andreas,

aus dieser Zeit gibt es in meiner Familiengeschichte umgekehrte Fälle, deren Geburt trotz eindeutig geklärten Daten nirgends registriert ist, einen in Baden, einen in Bayern.

Ich habe Bestätigungen elsässischer Bürgermeister, dass jemand Bürger seiner Gemeinde war, die zumindest in Bayern als Ausweispapier galten - ohne Passbild quasi blanko einsetzbar.

Wie effektiv die Überprüfung von Schiffspassagieren war ist fraglich. Dem Kaptän ging es wohl hauptsächlich darum, dass die Überfahrt bezahlt war und er am Zielhafen keinen Ärger bekam. Wenn das Familienoberhaupt eine zusätzliche Person als Kind oder Bruder deklarierte, fiel das vermutlich kaum besonders auf.

Wer es darauf angelegt hat, kam sicher auch ohne Papiere oder unter anderer Identität in die USA.

Hast du dort Spuren von ihm gefunden?



Ulrich
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Indizien für eine Auswanderung.

Beitrag von Ulrich » So 5. Sep 2010, 09:06

Wer es darauf angelegt hat, kam sicher auch ohne Papiere oder unter anderer Identität in die USA.

Sicher war auch das der Fall gewesen. Dies geschieht ja auch heute noch. Die Leute die das vorhatten gingen sicherlich heimlich am Zielhafen von Bord, einige womöglich schon kurz vor dem Anlegen, andere tarnten sich wahrscheinlich als Arbeiter auf einem Schiff und taten dies ganz unverfroren.
Da stellt sich dann die Frage, wie die Auswanderung ablief...

sicherlich ging das auch nicht ohne Planung ab. Man musste ja den Zeitpunkt entscheiden wann die Ausreise stattfinden sollte. Dann musste ja auch geklärt werden wie man Hab und Gut aufteilte, sodass dem Staat möglichst wenig in die Hände fiel. Man teilte das dann unter der Familie und Freunde auf was man zuücklassen musste. Vor der Auswanderung musste man ja auch die Reise planen, welcher Hafen am günstigsten war, sowie den Weg den man zu diesem Einschlug. Hier halfen womöglich Leute die Auswanderungen als Gewerbe betrieben. Diese Personen waren auch registriert. Sie machten Werbung in Orten, hatten auch sehr oft Beziehungen zu Zielorten, stammten auch oft aus der Gegend in der sie Werbung um Ausreisewilligen machten.
Kleiner Tip zur Zeit sind die Passagierlisten bei Ancestry kostenlos einsehbar. Allerdings soweit ich weis nur noch bis morgen. Vielleicht wirst du dort auch fündig.
Grundsätzlich: Gibt es Indikatoren, dass jemand ausgewandert ist, wie z.B. vermerke in Dokumenten?

In den amtlichen Nachrichten, welche ich schon oben erwähnte wurden flüchtige Personen genannt, mit Beschreibungen ihrer körperlichen Merkmale. Falls eine amtliche Versteigerung stattfand wurde in der Veröffentlichung auch das Inventar aufgeführt welches versteigert wurde.
Es wäre auch vorteilhaft in dem zuständigen Landesarchiv die Unterlagen des Heimatortes zu durchforsten. Es könnte sein dass auch dort Dokumente über die Auswanderung oder Flucht noch exestieren. Der Ortsvorsteher musste ja die Abwesenheit melden.

Eine solche Suche kann spannend sein und gibt einem auch einen Einblick in das soziale Umfeld der Person.

Ich wünsch Dir viel Erfolg bei deiner Suche.


gruss

Uli

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Astacus

Indizien für eine Auswanderung.

Beitrag von Astacus » So 5. Sep 2010, 09:24

Hallo Helmut und Ulrich

Spuren habe ich noch nicht gefunden...
Das Bild, auf welchen Wegen, eine Auswanderung von statten ging, verdichtet sich aber langsam. Schweizer sollen Europa vorzugsweise durch Französische-Häfen verlassen haben.

Es gibt auch Indizien, dass nicht nur er, sondern auch einige seiner Geschwister „verschwunden“ sind. Von seinen 11 Geschwistern, waren gemäss KB's um 1870 noch 9 am Leben, Family-Search nennt für einige ein Sterbedatum, natürlich ohne Angabe des Ortes... Nur ein Bruder hatte einen Sohn..., lebte der Rest der Familie im Kloster... :-) Folgte er nach dem Tod seiner Frau einem Bruder in die USA? Aber warum kam mein Urgrossvater ins Heim? Er hatte jede Menge Onkels und Tanten, sowie Paten... und warum in Herzogenbuchsee..., welches nun wirklich nicht in der Region liegt... Und dort taucht dann ein weiteres Rätsel, in der Person eines Doktor Walther Krebs auf, welcher ihn gefördert und durch ein Darlehen, das Lehrerseminar ermöglicht hat... Dessen Tochter, Maria Krebs soll seine Cousine gewesen sein, beide Personen existieren in unserer Genealogie nicht... Maria Krebs wurde durch Heirat zu Maria Waser, einer Schriftstellerin von nationaler Bedeutung, war da der Wunsch der Vater des Gedankens...?
Die Fragen häufen sich, was die Sache nicht minder interessant macht...

Gruss Andreas



Astacus

Indizien für eine Auswanderung.

Beitrag von Astacus » Sa 11. Sep 2010, 10:29

Gefunden... :-)
Mein Ur-Urgrossvater, starb am 8. November 1914, in St. Louis, Missouri, U.S., er wurde 80 Jahre alt...
Den entscheidenden Tipp, erhielt ich in einem Amerikanischen-Forum. Er taucht bei der Volkszählung 1900 auf oder besser, er könnte es sein..., die Spur führte nach St. Louis.
Auf der Homepage der Stadt, führt der Link "History & Heritage" zu vielfältigen Quellen..., viele kostenlos. Dort fand ich sogar den Totenschein von ihm, ich war doch überrascht...

Bezüglich der Indizien... Meine Schlussfolgerungen diesbezüglich sind einfach! Wenn Leute einfach verschwinden, suche in Amerika, auch wenn sie keinen Pass beantragt hatten... Von uns sind noch einige mehr verschwunden, die Suche geht weiter..., auch nach seinen möglichen Nachkommen. Zwar starb er als „Single“, bei der Volkszählung von 1900, wird er als geschieden aufgeführt...

Gruss Andreas



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Indizien für eine Auswanderung.

Beitrag von Radieschen » Fr 17. Sep 2010, 14:06

Gratuliere! Immer schön wenn eine solche Suche erfolgreich beendet werden kann. Und ja, klar, in Amerika suchen ist in solchen Fällen meist ziemlich dankbar, um 1900 ja auch Südamerika aber da wirds meist schwieriger...



Astacus

Indizien für eine Auswanderung.

Beitrag von Astacus » Mo 20. Sep 2010, 12:26

@Radieschen
Da die Kirchenbücher "nur" bis 1875 geführt wurden, entfällt danach die wichtigste Quelle für Personendaten und somit werden auch die "Verdachtsfälle" stark ausgedünnt. In dieser Zeit beschränken sich bei mir die Personendaten auf das nächste Umfeld oder auf einige wenige Family-Search Daten, welchen ich nicht unbedingt trauen möchte... Bei den Sterbedaten von FS nach 1875, wäre es interessant zu wissen, wo sie gestorben sind und nicht nur wann... Denn bei mir ist manch eine/einer "verschwunden", mit oder ohne Ehefrau/-Mann und bekam dann von FS ein Sterbedatum "spendiert". Da stellt sich die Frage, ob die Herren von FS, die Daten z.B. aus der Schweiz, mit Daten aus übersee ergänzen...

Gruss Andreas



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