Eine weitere Heirat in Passau 1659

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Walter
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Eine weitere Heirat in Passau 1659

Beitrag von Walter » Do 21. Okt 2010, 14:30

Ich habe mit einem weiteren Heiratseintrag meine Mühe!
Die Heirat war in Passau (Innstadt) am 14. Januar 1659.

Ich lese:
Anno 1659
Januarius
den 14 ...(?) ist der erbar Wittober(?) Michael Stauffenökher Schöffman
mit der Wittib(?) Anna. Stelzenwirthin(?), bei S................(?)
christlich copuliert wordten. Von Yhn...........(?)
Testes f....(?) der erbare M. Melchior Wösterm...(?) Schiffer
et: Laurenz Pür...(?) Miller(?) im Loch.

Ist ein Wittober ein Witwer? Und die Wittib eine Witwe?
Ein Schöffman ist vermutlich ein Schiffmann.

Wer kann noch etwas zur Klärung der vielen Fragezeichen beitragen?
Vielen Dank und beste Grüsse
Walter
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LG, Walter

le_tisserand
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Beitrag von le_tisserand » Fr 22. Okt 2010, 08:39

Hallo Walter,
vielleicht kann ich ein bisschen helfen:
Ganz richtig: Wittiber ist ein Witwer, Wittib die Witwe (der Ausdruck ist auch in Österreich gebräuchlich).



Anno 1659

Januarius

den 14 dit. ist der Erbar Wittiber Michael Stauffenökher, Schöffmann
mit der Wittib Anna Stelzenwürthin bei S. Gertrauthen (?)
Christlich copuliert wordten. Vor Yhn...ukhen (Yhnsprucken?).
Testes fuite (soll wohl eine Form von "esse" sein): die Erbaren M. Melchior Wöstermair Schleiffer (?)
et Lorenz Pürstl (oder Pürkl?) Miller im Loch


LG Alexander

Walter
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Beitrag von Walter » Fr 22. Okt 2010, 16:03

Hallo Alexander
Vielen Dank für deine Ergänzungen.
Im Internet habe ich in der Nähe von Passau das Gasthaus Stelzenwirt gefunden, das könnte also passen.
St. Gertruden habe ich aber dort nicht gefunden, allerdings geht das Gasthaus auf eine Heilquelle zurück, welche offenbar schon die Bischöfe von Passau benutzt haben.
Bei deinem Vorschlag “Yhnsprucken“ lese ich allerdings jetzt eher “Yhnprukhen", das von dir vorgeschlagene “s“ kann ich nicht erkennen.
Ob Yhnsprucken oder Yhnprukhen macht aber keinen grossen Unterschied, denke ich. Ich habe übrigens im Beerdigungsrodel im gleichen Zeitraum die Bezeichnung “Yhnnstadt“ (für Innstadt) gesehen!
Ich verstehe aber noch nicht für was das stehen soll, geheiratet haben diese beiden ja offensichtlich in Passau Innstadt und nicht in Innsbruck. Aber vielleicht ist mit dieser Bezeichnung auch nur eine wirkliche Brücke über den Inn gemeint?!
Bei den Trauzeugen lese ich nun “Lorenz Pürtel“, da muss ich aber noch in den diversen Registern nachschauen, ob so ein FN vorkommt. Zu den Büchern von Innstadt gibt es aber zu diesem Zeitraum leider noch keine Register.
Und noch eine Frage zur Datumsbezeichnung: Was bedeutet das “dit“ und was ist das für ein 3. Buchstage (s?)?

Beste Grüsse, Walter
- Editiert von Walter am 24.10.2010, 11:00 -


LG, Walter

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Beitrag von le_tisserand » Fr 22. Okt 2010, 18:16

Lieber Walter!

Vom Gefühl her war ich immer der Meinung, "dit" kommt von dito (dassselbe). Nach einer kurzen Internetrecherche könnte das Kürzel aber auch mit "dcts" transkribiert werden, also "dictus". Im Ergebnis heißt es dasselbe, man schreibt einmal Jänner und dann nur mehr "dcts" statt immer den vollen Monatsnamen.

Die Reihenfolge mit "In Yhnprukh" kommt mir komisch vor. Sind die anderen Einträge davor und danach auch so strukturiert? Ist überhaupt ein Ort gemeint (der Trauungsort, ein Herkunftsort). Oder ist es ein Personenname (eine hohe Persönlichkeit, die dabei war, oder ein Geistlicher). Im Internet fand ich einen Hauptmann Inpruck in bairischen Diensten (http://www.warlich.net/bernd/inpruck-n/).

Oder kann die Bezeichnung der Brücke in Beziehung zum Beruf des Bräutigams stehen? Wurde die Trauung des Schiffmanns vielleicht wirklich im Freien durchgeführt? Dazu passt wieder die Anmerkung auf S. Gertraud nicht. Oder spielt es auf eine Zunft etc an?

Alles nur geraten :-)
Vielleicht findet sich die Bezeichnung ja noch ein zweites Mal in den Büchern.


LG Alexander

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Beitrag von Walter » Fr 22. Okt 2010, 23:38

Hallo Alexander

Hier nochmals die Transkription, wie ich sie (dank deiner Hilfe) momentan als richtig zu sehen glaube:

Den 14 dits. ist der Erbar Wittiber Michael Stauffenökher, Schöffman
mit der Wittib Anna Stelzenwürthin bei S:Gertrautten
Christlich copuliert wordten. Vor Yhnprukhen (?).
Testes fuite (?) die Erbaren M. Melchior Wöstermair Schleiffer
et Lorenz Pürtl (?) Miller im Loch.

Als Anhang stelle ich hier auch noch die ganze Seite ein.
Beim Datum lese ich mehrfach und eindeutig “dits.“, was das auch genau bedeuten mag.
“Vor Yhnprukhen“ ist ein Nachsatz, den ich nicht genauer deuten kann. Eine Personenbezeichnung würde ich aber ausschliessen. Eine Heirat im Freien währe in unserer Zeit sicher denkbar, aber in der damaligen Zeit ....??
Da dies die erste Heirat eines Stauffeneckers in Passau ist, hatte ich die Hoffnung, etwas über die Herkunft des Schiffmann (später Schiffmeister) Michael St. zu erfahren, doch dazu passt dieses “Vor Innbrucken“ leider nicht. Ich glaube nicht, dass der Schreiber meinte, der Schiffmann sei von Innsbruck gekommen (was ja durchaus möglich gewesen währe).
Den Hinweis “bei S:Gertrautten“ (dieses doppelte t findet sich auch bei Wittib) lese ich als Ortsbezeichnung zur Stelzenwirtin. Möglicherweise war die Heilquelle bei Brunnenthal damals nach der Hl. Gertrud von Nivelles benannt, oder es gab an diesem Ort eine Heilanstalt, welche ihren Namen trug. Das sind aber halt auch nur Spekulationen.

Liebe Grüsse, Walter
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LG, Walter

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Beitrag von le_tisserand » Sa 23. Okt 2010, 07:52

Lieber Walter!

Ich würde "S: Gertrautten" doch als Pfarrangabe lesen. Bei den nächsten beiden Einträgen ist an der selben Stelle der Vermerk "bei der Pfarr S: Severini christlich copuliert worden".

Im Eintrag davor steht "christlich Copuliert wordten, bei Gertraud..."

Von meiner Seite war alles andere natürlich Spekulation. Ich habe aber in niederösterreichischen Matriken des öfteren gelesen, dass Trauungen am Abend im Haus der Braut stattgefunden haben (mglw mit Dispens).

Hat das Ehepaar Stauffenecker-Stelzenhammer Kinder in Passau Kinder taufen lassen? Schiffleute waren aber sicher sehr mobil, ich habe selbst Schiffmeister an der Donau unter meinen Vorfahren.

Nach der ersten Ehe des Michael Stauffenecker hast Du sicher schon gesucht. Vielleicht gibt die erste Ehe der Stelzenwirthin Aufschluss?


LG Alexander

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Beitrag von Walter » So 24. Okt 2010, 16:28

Original von le_tisserand
Hat das Ehepaar Stauffenecker-Stelzenhammer Kinder in Passau Kinder taufen lassen? Schiffleute waren aber sicher sehr mobil, ich habe selbst Schiffmeister an der Donau unter meinen Vorfahren.

Nach der ersten Ehe des Michael Stauffenecker hast Du sicher schon gesucht. Vielleicht gibt die erste Ehe der Stelzenwirthin Aufschluss?
Hallo Alexander

Wie kommst du auf Stelzenhammer? Ich verstehe “Stelzenwirtin“ als Berufsbezeichnung. Bei den Ehefrauen steht in Passau in der Regel nur der Vorname.
In Innstadt sind Trauungen, Taufen und Beerdigungen ab 1650 verzeichnet, ich habe dort (neben der Heirat von 1659) zu Stauffenecker nur einen Eintrag gefunden:
S01-0293 “ Den 10. dits. (10. März 1659) ist dem Stauffenökher Schöffman ein Khind gestorben“.
Das Kind ist ohne Vorname vermerkt, vermutlich ist es ungetauft verstorben.
Das ist knapp 2 Monate nach der Heirat dieses Paares, die Braut Anna war bei der Hochzeit also hochschwanger.
In Innstadt finden sich keine weiteren Taufen mehr.
Mehr als 8 Jahre später aber tauft dieses Paar noch ein Kind in St.Paul, ich stelle diese Taufe auch noch hier ein, es gibt dort auch noch einige Begriffe die ich nicht lesen kann.

Gruss, Walter
- Editiert von Walter am 26.10.2010, 18:13 -
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LG, Walter

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Beitrag von le_tisserand » Mo 25. Okt 2010, 09:24

Lieber Walter!

"Stelzenhammer" war ein Aussetzer meinerseis, ich meine natürlich Stelzenwirtin. Ich hätte das eher als Nachname und nicht als Berufsbezeichnung gelesen, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen :-)

Sowohl beim Eintrag vorher, als auch bei den beiden Einträgen nachher sind die Nachnamen der Bräute angegeben (wenn auch durch die Nennung des Vaters). In unserem Fall ist ja deswegen kein Vater angegeben, da die Braut eine Witwe war, deswegen habe ich mir nichts dabei gedacht, Stelzenwirtin als Nachname zu lesen.

Vielleicht findet sich der Sterbeeintrag eines Herrn Stelzenwirt, dann kann man auch diese Frage beantworten.

Zum Taufeintrag, ich lese folgendes:

31ma huius bapt(izatus) Jacob(us), Michaeli Staufenegger civis et Nautae (?), Annae conjugib(us). Patrinus Nob: et ?octissim(us) H(err) Jo(hannes) Ferdinand(us) Perger, Stadtanwaldt

Damit ist auch klar, dass Michael Stauffenegger (wohl durch die Heirat) in Passau ansässig wurde. Vielleicht besteht die Chance, Ratsprotokolle (schließlich wird er als Bürger/civis bezeichnet), Hauskaufprotokolle oder Zunftbücher in Passau aufzufinden. Leider kann ich Dir keine Empfehlungen geben, in welchem Archiv Du hier die besten Chancen haben wirst.


LG Alexander

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Beitrag von le_tisserand » Di 26. Okt 2010, 11:58

Nachtrag zu Innpruck:

http://www.innstadt-brauerei.de/geschichte.php?gj=1318
sowie die nächsten zwei Jahreszahlen sind sicher interessant, auch den Hinweis auf eine Kirche dort gibt es.


LG Alexander

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Beitrag von Walter » Di 26. Okt 2010, 17:02

Und noch ein Fund von mir:

hier (braucht etwas Geduld) im Suchfeld “Adresssuche“ Kirchen auswählen, dann im Suchfeld “Name“ St. Gertraud wählen und auf “Suchen“ drücken.
Die Kirche liegt gleich neben dem Brückenkopf auf der Innstadt-Seite.
Es ist halt schon recht schwierig, an einem Ort zu forschen, wo man sich überhaupt nicht auskennt! ;-)
- Editiert von Walter am 28.10.2010, 10:19 -


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