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Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Mo 22. Nov 2010, 09:34
von Walter
Hallo Forum
Ich habe aus dem Chorgerichtsmanual Grosshöchstetten einen weiteren Begriff den ich nicht verstehe.
Im Mai 1684 wird folgendes notiert:
Die Träger der Tschantzzügen sind die folgenden bestellet worden
Es folgt nun eine Liste mit 9 Männer aus dem inneren Viertel, 6 Männer aus dem Zäziwil-Viertel, 8 Männer aus dem Oberthal-Viertel und 6 Männer aus dem Höchstetten-Viertel. Diese Männer werden als “ein alter“ oder “ein neüwer“ bezeichnet.
Was waren das für “Tschantzzügen“?
Gruss, Walter
Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Mo 22. Nov 2010, 11:14
von Kraehe
Lieber Walter,
Ich kenne das Antwort nicht. Bei Hans Rudolf Christen (Emmentaler Gs. u. Wappenbuch) wird als moegliche Deutung des FN Tschanz u.m. erwaehnt: "so koennte T. in Zusammenhang gebrac ht werden mit mhd. schanze = Schutzbefestigung, Schanze, Schranke, (Lexer). Aber, was haette das zu tun mit dem Chorgericht?? Gibt das Idiotikon keine Erklaerung?
Mit freundlichem Gruss,
Bernard Krijbolder
Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Mo 22. Nov 2010, 11:40
von Walter
Hallo Bernard
Im Idiotikon finde ich den Begriff “(T)schan(t)zzügen, -züger“ nicht.
Ich vermute auch, dass es möglicherweise um irgend eine Befestigungsanlage geht, um eine Schanze (Tschantz, Tschanz, Schanz).
Vielleicht mussten die aufgelisteten Männer eine Abwehrschanze bauen (wo und gegen wen?), oder sie waren die Mannschaft um so eine Befestigungsanlage zu verteidigen. Aber das Ganze spielt sich in einer ländlichen Gegend ab!
Dank und Gruss, Walter
Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Mo 22. Nov 2010, 13:06
von Kraehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Schanzzeug
Hallo Walter, bitte sehe oben. Es gibt mehr bei Google. Auch Abbildungen.
Gruss, Bernard
Träger der Tschantzzügen?
Verfasst: Mo 22. Nov 2010, 13:19
von Thomas
Der Begriff “Schanz(werk)zeug“ für Spaten, Beil etc. wird heute noch beim CH-Militär verwendet.
Gruss
Thomas
Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Mo 22. Nov 2010, 14:02
von Aspis
Stimmt Thomas, und ich denke, dass dieses früher eine militärische Einheit gewesen war.
In Dietikon an der Limmat gibt es noch Spuren von Franzosenschanzen. In der Zeit der franz. Besetzung (um 1795) bauten diese Phalisaden aus Baumstämmen und hoben davor Gräben aus. Das ergab eine grosse Höhendifferenz, zur Abwehr der Russen.
Träger der Tschantzzügen?
Verfasst: Mo 22. Nov 2010, 14:19
von Walter
Schanz(werk)zeug im Militär kenne ich schon, musste auch mal helfen ein Flabgeschütz mit dem Klappspaten einzugraben. Verteidigungsschanzen, z.B. 1795 gegen die Franzosen machen auch Sinn, aber 29 Träger von (T)schanzzügen (-zeugs?) um 1684 in Grosshöchstetten! Was war wohl ihre Aufgabe? Vielleicht wurde der Begriff auch für den zivilen Einsatz im Bereich Erdarbeiten, Überschwemmungsschutz usw. verwendet?
Gruss, Walter
Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Mo 22. Nov 2010, 18:46
von Aspis
Walter, Du bist auf eine Firma Tschanz gestossen, die 29 Angestellte hatte - lach
Auch hier darf mal ein Spass sein

Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Mo 22. Nov 2010, 19:54
von Thomas
Erklärungsversuch: In früheren Zeiten hatten Militär, Polizei und andere Wehrdienste oft kein staatliches Material zur Verfügung. Werkzeug, Pferde, auch Waffen waren oft Privatbesitz der “Wehrleute“. Bestenfalls wurden sie entschädigt, wenn sie solches Gerät zu Einsätzen mitnahmen oder wenn es requiriert werden konnte. Was der Staat hingegen regelmässig unternahm, war: bestimmte Personen zu verpflichten, Material zu besitzen und gegebenenfalls den Wehrdiensten zur Verfügung zu stellen. So stelle ich mir nun vor, dass die von Walter erwähnten genau solche Verfügungen waren, wer aus welchen Vierteln verpflichtet war, Schanzwerkzeug zur Verfügung zu halten.
Gruss
Thomas
Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Mo 22. Nov 2010, 20:45
von Walter
Ich habe von diesem Chorgerichsauszug leider nur eine Transkription, welche ich hier mal einstelle, vielleicht gibt der (dürftige) Zusammenhang doch noch einen Hinweis (Einzuggeld!?).
Ich habe leider nur das Original von der Seite 276!
Gruss, Walter
Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Di 23. Nov 2010, 08:53
von Stephleuen
Mit dem Begriff Tschantzzügen kann ich auch nichts anfangen.
"Einzugsgeld" ist ein Begriff der verwendet wird wenn die Hintersässen einer Gemeinde ihr jährliches "Hintersässengeld" ablieferten.
Die Gelder die für militärische Zwecke eingezogen wurden heissen "Reisgeld"
Es ist sehr merkwürdig wie sich in Grosshöchstetten die Behörden vermischen. Es wurde hier eine Chronik von Grosshöchstetten genannt. Werden in diesem Werk die Behörden des 17. Jh. erklärt?
Hat man die Rechtsquellen Konsultiert?
Auch das Regionenbuch im Staatsarchiv Bern könnte dazu Aufschluss geben.
Vielleicht liefert auch Häusler in seiner Geschichte über das Emmental Aufschluss.
Frau Dr. hist. Anne- Marie Dubler ist in der Redaktion des HLS und war in der Redaktion der Rechtsquellen Oberaargau und Emmental. Ein Mail an diese ausgesprochen kompetente Historikerin würde vermutlich Klarheit bringen.
Beste Grüsse
Stephan Leuenberger
Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Di 23. Nov 2010, 12:49
von Kraehe
Hallo Walter,
Hausler bietet hier keine Loesung. Fuer dich nachgeschaut.
Bernard Krijbolder
Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Do 25. Nov 2010, 11:21
von Walter
Zuerst mal meinen herzlichsten Dank an alle, welche mit versucht haben, eine Erklärung für den Begriff “Tschantzzügen“ zu finden.
Mir geht aber noch eine weitere Möglichkeit durch den Kopf, waren diese 29 Männer eventuell die damalige Gemeindefeuerwehr von Grosshöchstetten? Wurde das “Tchantzzeug“ zur Brandbekämpfung eingesetzt? Wie wurden in der damaligen Zeit (um 1680) die recht oft auftretenden Brände bekämpft? Es wurden ja ganze Dörfer und Stadtteile ein Raub der Flammen, und Wasserspritzen gab es ja vermutlich noch nicht.
Gruss, Walter
Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Fr 26. Nov 2010, 09:27
von Kraehe
Hallo Walter,
Im Zaeziwil-buch (Seiten 143-150) ist eine Kurzgeschichte des lokalen Feuerwehrs aufgenommen. Daraus geht u.m. hervor, dass das urspruengliche Loeschmittel bestand aus eine Menschenkette mit Loescheimern. Weiter soll man doch in Betracht nehmen die Tatsache, dass ohne Befoerderungsmittel ein richtiges Gemeindefeuerwehr doch zwecklos war??
Mit freundlichem Gruss,
Bernard Krijbolder
Träger der Tschantzzügen
Verfasst: Di 30. Nov 2010, 21:05
von Stephleuen
Eine Frage:
Hat jemand von Emanuel Friedli "Bärndütsch als Spiegel bernischen Volkstums" Band Lützelflüh
Vielleicht liefert Friedli eine Antwort auf die Frage betreffend Tschantzzügen
Gruss
Stephan Leuenberger