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Maria Magdalena aus Merdingen in Wattenwil BE (Schweiz)
Verfasst: Di 12. Mai 2015, 12:08
von Walter
Gestern habe ich im 1. Taufrodel von Wattenwil BE einen sehr speziellen Eintrag gefunden, wer ergänzt meine Transkription?
Ich lese:
d(en) 25. dito (April 1706) ein Daniel gt.
Par ( Angelo Vannucci di Fiorenza. Maria Magdalena von Merdingen.
Test ( Daniel Bäler, Christen Fahrni, Fr. Rosine Müller
NB. Dieses Kinds Eltern sind zwahr bis daher papistischer Religion gewesen, haben aber versprochen, unsere Religion anzunehmen und das Kind in derselben aufzuziehen deß-wegen hat(?) Hr. Dekan selbst(?) befohlen, dasselbe zu taufen
Re: Maria Magdalena aus Merdingen in Wattenwil BE (Schweiz)
Verfasst: Mi 13. Mai 2015, 06:34
von hhg
Hallo Walter,
soweit ich sehe, gibt's da nichts zu ergänzen, ist doch perfekt!
Re: Maria Magdalena aus Merdingen in Wattenwil BE (Schweiz)
Verfasst: Fr 15. Mai 2015, 10:49
von Walter
heg hat geschrieben:… soweit ich sehe, gibt's da nichts zu ergänzen, ist doch perfekt!
Hallo Helmut
Vielen Dank für's Mitlesen. Inhaltlich ist ja alles klar und die beiden Fragezeichen unwichtig.
Ehrlich gesagt habe ich diese Taufe nur wegen ihrem sehr speziellen Inhalt eingestellt!
Reformierte Taufe im Berner Oberland, der Vater aus Florenz und die Mutter aus Baden (beide katholisch), so was ist mir bis jetzt noch nicht untergekommen
Gruss, Walter
Re: Maria Magdalena aus Merdingen in Wattenwil BE (Schweiz)
Verfasst: Fr 15. Mai 2015, 11:21
von hhg
Hallo Walter,
über die gelegentlich auftauchenen europaweiten Verbindundungen staune ich auch immer wieder - im Hintergrund der Geschichte ("Heiliges Römisches Reich", Bern als bedeutenster Stadtstaat, sogar trans-atlantische Beziehungen) ... die Welt war hald damals schon nicht mehr klein und überschaubar ...
Re: Maria Magdalena aus Merdingen in Wattenwil BE (Schweiz)
Verfasst: Fr 15. Mai 2015, 15:07
von Peter.D
Walters Fund ist aber schon interessant. In Basel wurden - insbesondere in Kriegszeiten im benachbarten Ausland oder bei unehelichen Geburten - immer wieder Kinder katholischer Eltern getauft, in der Regel in der Spitalkirche. Oft ist eine obrigkeitliche Bewilligung erwähnt, aber lange nicht immer. Dass die Eheleute oder die Mutter versprechen mussten, den reformierten Glauben anzunehmen, habe ich jedoch bei Taufen noch nie gesehen. Ein Kind christlicher Eltern ungetauft zu lassen, war wohl etwas vom Schlimmsten, was man sich damals vorstellen konnte.
Wenn in Basel ein Bürger eine katholische oder gar 'nur' lutheranische Frau heiratete, musste sich die Frau aber baldmöglichst umtaufen lassen, sonst verlor der Mann das Bürgerrecht!
Peter
Re: Maria Magdalena aus Merdingen in Wattenwil BE (Schweiz)
Verfasst: Fr 15. Mai 2015, 16:50
von hhg
vielleicht auch interessant: noch 1824 verursachte die geplante Heirat eines Mennoniten mit einer Katholikin in Hessen ein ca. 200 Seiten umfassenden und sich über fünf Jahre hinziehenden Briefverkehr. Zunächst hatten sowohl der katholische als auch der evangelischer Pfarrer trotz weltlicher Heiratserlaubnis die Trauung verweigert, ein lutherischer Geistlicher aus einer anderen Pfarrei das Paar 1825 aber doch getraut, da bereits zwei Kinder geboren waren. Der katholische Kollege nahm zum Vorwand, dass der Mennonit seine wohl erst als Jugendlicher erfolgte Taufe nicht nachweisen konnte und klagte bei Landesregierung und Bischof, dass trotz Erfüllung aller sonstigen Formalitäten ein Verstoß gegen das Verbot von Heiraten zwischen Getauften und Nichtgetauften vorläge. Bis um 1850 gab es auch in Bayern noch Anfragen von Dorfpfarrern, ob ungetaufte Kinder von Wiedertäufern (explizit als Heiden bezeichnet), mit anderen in Schule und Freizeit Kontakt haben, oder auch auf dem örtlichen Friedhof bestatten werden dürften.
Ein Kind christlicher Eltern ungetauft zu lassen, war wohl etwas vom Schlimmsten, was man sich damals vorstellen konnte - nicht nur in Basel!
Re: Maria Magdalena aus Merdingen in Wattenwil BE (Schweiz)
Verfasst: Sa 16. Mai 2015, 17:35
von Walter
Es stellt sich mir auch die Frage, warum in Wattenwil? Es finden sich hier keine weiteren Spuren von diesem Paar.
Warum wurde das Kind nicht vom Dekan selbst im Münster zu Bern getauft?