Hallo zusammen,
auch ich interessiere mich für die Bedeutung des Wortes Jenisch, bzw für die Geschichte der Jenischen.
Beim Lesen Eurer Beiträge und Links habe ich mir so meine Gedanken gemacht und noch ein bisschen weiter geforscht.
Als Erstes ist mir aufgefallen, dass man bei so einem Thema auf die Betrachtungsweise aufpassen muss.
Es geht hier angefangen vom Ursprung des Namens Jena um mindestens 3 Epochen ( Mittelalter, Frühe Neuzeit und Neuzeit ). Unter Umständen könnte noch die Antike dazu kommen.
Z.B "nicht sesshafte Familie" ist ein bürgerlicher Begriff der Neuzeit, und "fahrendes Volk" war vor der Neuzeit nicht grundsätzlich mit abwertendem Beigeschmack.
Man bedenke bis zum Ende des Mittelalters war der Kaiser selber mit seinem Tross ein Fahrender. Und Waren, Neuigkeiten und Nachrichten sind noch nie vom Himmel gefallen.
Also das Erste was mir aufgefallen ist, war bei der Erklärung des Stadtnamens Jena:
"Schauer selbst (und später auch der Lokalforscher Herbert Koch) sieht die Lösung im Keltischen, insbesondere im Wort gen, das für Mund und im übertragenen Sinne für Mündung steht, wobei auf die mundförmige Gestalt Jenas durch den Talkessel bzw. im Falle Kochs auf einen Zusammenfluss zweier Gewässer, dem Leutra-Bach zusammen mit der Saale, verwiesen wird. Hiergegen wird vor allem eingewandt, dass die Kelten nie im Ostthüringer Raum gelebt haben."
https://de.wikipedia.org/wiki/Jena#Herk ... tadtnamens
Beachtenswert ist, dass es 30 km weiter noch Großjena gibt, ein Stadtteil von Naumburg.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fjena
"Der Ort wurde 1002 erstmals als Gene, später auch Wendischenjena erwähnt.....
Großjena gehört als einer der Hauptorte einer seit Jahrtausenden bewohnten Siedlungskammer mit den in der Aue einander kreuzenden Wegen „Via Regia“, von der heute unbekannten Furt vor dem ehemaligen Zusammenfluss von Saale und Unstrut am Lauscheberg kommend......"
Also wieder ein Zusammenfluss von zwei Flüssen.
Die Himmelsscheibe von Nebra ist in der Nähe gefunden worden, und das Sonnenobservatorium von Goseck ist da auch irgendwo.
Eulau ist archäologisch auch bedeutend.
Überhaupt diese Gegend Jena - Naumburg hat eine archäologische Funddichte bis zum Hohen Mittelalter, die seinesgleichen suchen muss in Deutschland.
Es scheint da oben ein antikes bis frühmittelalterliches Handelszentrum gegeben zu haben.
Könnte an den Wasserscheiden liegen die es da oben gibt.
In der Region gibt es einen Nord-/Ostsee Übergang, und auch eine Rhein-Elbe-Wasserscheide.
So jetzt wieder zu dem keltischen Wortstamm
gen-gene-jena
Natürlich haben die Kelten da oben nicht gesiedelt.
Aber inzwischen geht man ja auch nicht mehr von einem einheitlichen Volksstamm bei den Kelten aus, sondern eher von einem Handelsnetz das sich über die Jahrhunderte ausgebreitet hat.
So eine Art EU der Antike.
Worauf ich noch hinweisen möchte ist das Grossjena auch Wendischenjena genannt wurde. Der Wortstamm der Wenden, Windischen, Veneter und auch Wendland ist bis jetzt noch nicht geklärt, und bis vor ein paar Jahren wurde er noch als keltisch gehandelt. Heute heisst es er sei sorbisch.
Aber auch hier finde ich muss man die Epochen unterscheiden.
Die Kelten sind aus der Antike, und die Sorben haben als Familienverbände ab dem frühen Mittelalter dort gesiedelt.
Dass die Kelten weit unterwegs waren zeigt ein Fund in Polen:
"Eine der in diesem Sachzusammenhang bedeutendsten archäologischen Entdeckungen ist der so genannte Bernsteinschatz von Wrocław-Patrynice mit einem Gesamtgewicht von 2.750 kg, darunter rund 1.500 kg Rohbernstein. Dass es sich hierbei um Handelsware gehandelt hatte, war u.a. daran erkennbar, dass die Stücke der Größe nach sortiert waren. Die Fundstücke stammen vermutlich aus dem 1. oder 2. Jahrhundert v. Chr. und werden mit keltischen Stämmen in Verbindung gebracht."
https://de.wikipedia.org/wiki/Bernstein ... te_note-10
Also, dass das keltische Gen zu Jena wurde, kann ich in diesem Zusammenhang verstehen.
Und wenn das Gen, wie immer es auch ausgesprochen wird, ein Zusammenfluss zweier Flüsse ist, dann könnte es auch der Wortstamm für die Jenischen sein.
Die Kelten zählt man zu den indo-germanischen Völker, und in Indien leben bis heute die Tierkörper verarbeitenden Bevölkerungen ausserhalb. Wahrscheinlich an einem Fluss, vielleicht auch an einem
Zusammenfluss von 2 Wasserläufen. Denn für die Arbeit braucht man viel Wasser und am anderen Wasserlauf könnte man das Wasser holen, dass man für die Nahrung braucht.
Und unsere Abdecker bzw Wasenmeister haben bis in die Neuzeit zu den Jenischen gehört.
Für das 10. Jahrhundert ist belegt, dass die Metzger am Fluss arbeiteten. Wahrscheinlich auch die Kürschner.
Und Handel und Transport von Tieren ist auch schon in keltischer Zeit da gewesen.
Auf der Heuneburg wurden Schweine aus dem Südschwarzwald verspeist.
Zu römischer Zeit wurden Tiere aus dem Hinterland zu den Städten gebracht.
Und wo ist es besser zu rasten als an einem Zusammenfluss von 2 Wasserläufen. Da braucht man nur eine Seite sichern.
Solche Plätze dürften seit der Antike genutzt worden sein.
Und da in Süddeutschland die keltische Tradition nie einen richtigen Abbruch hatte, dürfte auch das Wort dafür erhalten geblieben sein.
Also auch hier könnte ich mir vorstellen, dass der Wortstamm hinhaut.
Jetzt noch die Familie Jenisch aus Augsburg.
Beim recherchieren habe ich gelesen, dass die im Ursprung Kürschner waren, also am Wasser arbeitend.
https://www.stadtlexikon-augsburg.de/in ... 6ba1349822
Und auch Augsburg liegt an einem "Gen"
Da fliessen Lech und Wertach zusammen.
Insgesamt ist für mich dieser keltische "Gen" Wortstamm schon eine Möglichkeit des Ursprungs für alle 3 .
So, dann bin ich mal gespannt, was ihr dazu meint.
Viele Grüße aus der Spitalstr.