Anlass für die obige Frage ist die Suche nach dem weiteren Verbleib von Ferdinand Sailer. Sylvia Kemming hat zu seiner (bisher bekannten) Lebensgeschichte das Buch
Der Apothekergehilfe Ferdinand Sailer: Komplize im Mordfall Kaspar Hauser? veröffentlicht:
Der badische Expolitiker Hennenhofer erhielt im Frühjahr 1834 Erpresserbriefe des Apothekergehilfen Ferdinand Sailer aus dem Elsass. Hennenhofer stand bei der badischen Bevölkerung im Verdacht, Handlanger der Verbrechen an dem Nürnberger Findling
Kaspar Hauser zu sein, der als ausgetauschter und eingekerkerter badischer Thronfolger galt. Sailer versuchte, Hennenhofer damit zu erpressen, dass er eine Woche vor Kaspar Hausers Ermordung am 14. Dezember 1833 im Ansbacher Hofgarten am Tatort Ansbach gewesen sei. Die vorliegende Arbeit versucht, Sailers Leben und seine Beziehung zu Hennenhofer durch Auswertung von Archivmaterial nachzuzeichnen und damit zur Klärung der Frage beizutragen, ob Sailer ein Komplize beim Mord an Kaspar Hauser gewesen sein kann.
Ferdinand Sailer wurde 1810 als Sohn des Bürgermeisters von Waldsee (Württemberg) geboren. Er kooperierte mit den deutschen Revolutionären und floh deshalb im Dezember 1834 nach Zürich. Nachdem er im Zusammenhang mit dem
Züricher Studentenmord 1835 in Zürich in Untersuchungshaft kam, zog er nach seiner Freilassung nach Wil SG, wo er bis 18. Juli 1843 nachgewiesen werden kann. Zu diesem Datum verliess er Wil mit unbekanntem Ziel. Das einzige, was man noch über ihn weiss, ist, dass er 1851 "in die Schweiz" geheiratet hat - so verzeichnet im Waldseer Standesbuch.
Unabhängig von der Hoffnung, über Apothekenlisten Hinweise auf den weiteren Verbleib von Ferdinand Sailer zu finden, wird jeder andere Hinweis auf einen evtl. "passenden" Ferdinand Sailer dankbar entgegen genommen.
Es dürfte Zufall sein, dass laut Familiennamenbuch Sailer in Wil SG seit vor 1800 verbürgert sind.