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Spälti von Netstal GL
Verfasst: So 14. Mär 2021, 18:16
von wkla
Bin im Toggenburg in Kappel 1759 bei einem Ehe-Eintrag auf eine Elsbeth Spälti, Tochter eines Heinrich Spälti aus Netstal gestossen. Leider lässt das Geburtsjahr aus meiner Sicht viel Spekulation zu (172?).
Ehe_Kappel_1759_HeinrichReichElsbethSpälti.jpg
http://staatsarchiv-sg.ch/index.php?bid ... 74_283.jpg
Ich suche den
Heinrich Spälti (ca. 1700) in Netstal. Bis jetzt habe ich noch keine weiteren Spälti in Kappel gefunden, so dass ich davon ausgehe das nur die Elsbeth Spälti ins Toggenburg gezogen ist.
Danke und Gruss Walter
Re: Spälti von Netstal
Verfasst: So 14. Mär 2021, 20:21
von griffy
Wenn man das Bild in Photoshop manipuliert, dann sieht das nach "1729" aus.
ZVA_12_374_283.jpg
Re: Spälti von Netstal
Verfasst: So 14. Mär 2021, 20:33
von Nico
Re: Spälti von Netstal GL
Verfasst: Mo 15. Mär 2021, 18:23
von wkla
Vielen Dank
Mittlerweile habe ich den Sterbeeintrag in Kappel, SG gefunden: 9.Jul 1784 im Alter von 55.
Somit ist das konsistent mit dem Ehe-Eintrag.
Diese Elsbeth ist nicht als Jfr markiert, also schon mal Mutter geworden...
Es gibt eine Elsbeth Spälti *11.Sept. 1727 von Netstal, mit einem Vater Heinrich. Das kommt dem 1729 am nächsten. Die Dame war mit einem Balthasar Pfeiffer zwar verheiratet. Gemäss einer anderen sekundären Quelle wurde die erste Ehe des Balthasar geschieden/annuliert. Die Suche nach weiteren Indizien geht also weiter.
Re: Spälti von Netstal GL
Verfasst: Mo 15. Mär 2021, 20:11
von Nico
Angaben zu der 1727 geborenen Elsbeth Spälti findest Du hier:
https://www.geneal-forum.com/tng/getper ... ee=wildpat
Gruß
Re: Spälti von Netstal GL
Verfasst: Mi 17. Mär 2021, 08:41
von wildpat
Zu der Elsbeth Spälti, Tochter des Heinrich Spälti (1699-1762) und der Rosina Heiz (1700-1753), habe ich den folgenden Artikel gefunden:
Ehebruch und Hurerei
Aus: Paul Thürer, Geschichte der Gemeinde Netstal, Glarus 1922, Seite 437
Text sprachlich angepasst und mit den Lebensdaten der betroffenen Personen versehen
Der Badwirt Balthasar Pfeiffer (1713-1780) von Mollis liess sich 1753 unter Vorweis eines falschen Ehescheines durch den Pfarrer von Trimmis trauen. Als der Betrug ans Licht kam, erklärte der Rat in Glarus die Ehe für aufgehoben und verbannte Pfeiffer für 15 Jahre aus der ganzen Eidgenossenschaft. Diese Verbannung wurde allen löblichen Orten und Untertanenländern bekannt gegeben. Die mitschuldige Elisabeth Spälti (1727-) kam gleichzeitig mit Pfeiffer eine Stunde lang an den Pranger, jedes auf eine Seite des Schandpfahls. Sodann wanderen sie für 24 Stunden in die mittlere Gefangenschaft. Während der Badwirt auf Urfehde hin das Land verlassen musste, kam die Spälti bis zur nächsten Sitzung des evangelischen Rates in die obere Henkerskammer. Sie blieb vom Land, der Kirche und von der Arbeit verbannt. Bei Strafe ewiger Verbannung durfte sie nicht aus dem Land gehen und mit dem schon einmal verheirateten Pfeiffer keinen Umgang mehr pflegen. Das Kind, welches sie diesem geboren, nahm ihr der Rat weg und ihren Vater Heinrich (1699-1762), der zu diesem Handel geholfen hat, speiste der evangelische Rat 24 Stunden lang in Gefangenschaft mit Wasser und Brot.
Im Genealogienwerk von Kubly-Müller ist kein Hinweis zu finden, wann und wo Elsbeth Spälti gestorben ist. Gemäss dem obigen Eintrag hätte sie eigentlich das Land Glarus nicht verlassen dürfen. Das scheint sie jedoch gemacht zu haben und ist dann wohl in Kappel 1784 verstorben. Es gibt keine andere Elsbeth oder Elisabeth Spälti auf die die Angaben besser passen würden.
Re: Spälti von Netstal GL
Verfasst: Do 18. Mär 2021, 13:02
von wkla
Vielen herzlichen Dank für diese wertvollen Informationen, wildpat!
Jetzt glaube ich dass die Geschichte jetzt wirklich zusammenpasst und die Verbindung vom Toggenburg ins Glarnerland auch Sinn macht.
Gruss Walter
Re: Spälti von Netstal GL
Verfasst: Do 18. Mär 2021, 13:07
von wildpat
Jederzeit gerne! Hast Du noch Zusatzinformationen, wie diese Elisabeth Spälti ins Toggenburg kam bzw. mit wem sie liiert war?
Re: Spälti von Netstal GL
Verfasst: Do 18. Mär 2021, 17:35
von wkla
Zur Vollständigkeit sämtliche Daten der Elsbeth Spälti:
Heinrich Reich *12.05.1720 Wildhaus, SG - 12.01.1791 Blomberg, Kappel, SG
oo 13.02.1759 in Kappel, SG
Elsbeth Spälti *11.09.1727 Netstal, GL - 09.07.1784 Kappel, SG
mit den Kindern:
- Heinrich *14.10.1759 Blomberg, Kappel, SG
- Anna Barbara *23.05.1762 Blomberg, Kappel, SG
- Ophra *29.09.1765 Blomberg, Kappel, SG
- Dorothea *07.03.1773 Blomberg, Kappel, SG - 20.08.1835 Krummenau, SG
Wenn ich das Hochzeitsdatum und die Geburtsdatum des ersten Sohnes anschaue, hätte das aber wieder in Auge gehen können!
Beim Sterbeeintrag ist die Elsbeth Spälti als Mutter von 5 Kindern aufgeführt. Ich habe jedoch nur 4 im Toggenburg gefunden, kann mir aber nicht vorstellen dass der uneheliche Sohn aus ihrem "früheren Leben im Glarnerland" der ihr weggenommen wurde auch mitgezählt wurde.
Wie die Dame genau ins Toggenburg kam weiss ich nicht.
Re: Spälti von Netstal GL
Verfasst: Do 18. Mär 2021, 18:58
von griffy
Eigentlich liest man etwas anderes im Sterbebuch :
den 9. Julii Elsbeth
Spälltin Heinr[ich]. Reichen im Blomberg Ehew[eib].
verlasst 4 Kind 2 Ent[eheliche?]. æ[t]. 56 ÿ[ahr].
ZVA_12_374_369.jpg
Es ist wohl nicht von
Enkeln die Rede: in ähnlichen Einträgen verwendet der Pfarrer immer das Wort
Grosskind.
Re: Spälti von Netstal GL
Verfasst: Do 18. Mär 2021, 19:35
von wkla
Danke für die Berichtigung "griffy". Stellt sich noch die Frage der Ent[ehelichen] Kinder. Ob da das Glarner Kind schon dazu zählt? Evtl. gibt es noch eine weiteren Lebensabschnitt vor der Heirat?
Re: Spälti von Netstal GL
Verfasst: Do 18. Mär 2021, 19:46
von Säntis
Grüezi wkla und griffy,
könnte 2 Ent als 2 Entlassene, d. h. als 2 nicht mehr im elterlichen Haushalt lebende Kinder gedeutet werden?
Wenn ja, müssten solche Hinweise auch bei anderen verstorbenen Müttern oder Vätern aufscheinen.
Bochtella
Re: Spälti von Netstal GL
Verfasst: Do 18. Mär 2021, 19:48
von wildpat
Ich vermute, dass Elsbeth Spälti ohne ihren Sohn aus der nicht anerkannten Ehe mit dem Glarner Balthasar Pfeiffer ins Toggenburg zog. Ich bin aufgrund des Eintrags im Glarner Register nicht mal sicher, ob der Sohn das erste Lebensjahr überlebte. Ich glaube nicht, dass dieses Kind im Toggenburg aktenkundig war. Dass sie vor 9 Monaten ihren ersten Sohn mit dem neuen Ehemann hatte, ist nicht ungewöhnlich.