Pfrund / Pfründe
Verfasst: Mo 9. Aug 2021, 23:09
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Der Begriff ist doppelt besetzt. Allgemein bekannter sind wohl die Pfünde, die Einkommensquelle für "Angestellte" von Kirche oder Staat. Darauf beziehen sich auch die meisten Informationen in der Wikipedia. Heute wird der Begriff (als "fette Pfründe") umgangssprachlich oft mit einem negativen Beigeschmack verwendet.
Die zweite Bedeutung wird in der Wikipedia nur mit einem Satz erwähnt: "Pfründner nannte man auch Pensionäre in Spitälern, die sich durch Einbringen eines Legats eine dauernde Unterkunft und Pflege gesichert hatten." ... dabei ist diese Bedeutung (nach meiner persönlichen Meinung) für die Familienforschung, soweit sie sich mit den Lebensumständen unserer Vorfahren befasst, eigentlich die interessantere. In seiner Dissertation befasst sich Marcel Mayer zwar in erster Linie mit den Verhältnissen in der Stadt St.Gallen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, bietet im Kapitel "4.2 Eintrittsarten" aber doch eine gute Zusammenfassung der geschichtlichen Entwicklung: im Pfrundhaus (oft das Spital, das nicht mit einem Spital der heutigen Zeit verwechselt werden darf) bekamen in Armut geratene Bürger(innen) Ernährung und Wohnung, es war also zum einem die solidarische Leistung der Bürgergemeinde, die über die vom Pfrundamt verwalteten Vermögen/Immobilien finanziert wurde, ein wesentlicher Bestandteil des Ortsbürgerrechts. Auf der anderen Seite konnten sich wohlhabendere Büger(innen) durch Einbringen eines Legats eben eine lebenslange Unterkunft und Pflege sichern. Siehe dazu auch den Text im Scheizerischen Idiotikon (rechte Spalte unten). Ein Beispiel eines solchen Legats von 1572 findet man (digitalisiert online) im Klosterarchiv Einsiedeln: "Ammann Andreas Schmid und seine Frau vermachen das Zehntwieslein in Pfäffikon dem Kloster Einsiedeln um eine lebenslange Pfrund im Schloss Pfäffikon.".
Der Begriff ist doppelt besetzt. Allgemein bekannter sind wohl die Pfünde, die Einkommensquelle für "Angestellte" von Kirche oder Staat. Darauf beziehen sich auch die meisten Informationen in der Wikipedia. Heute wird der Begriff (als "fette Pfründe") umgangssprachlich oft mit einem negativen Beigeschmack verwendet.
Die zweite Bedeutung wird in der Wikipedia nur mit einem Satz erwähnt: "Pfründner nannte man auch Pensionäre in Spitälern, die sich durch Einbringen eines Legats eine dauernde Unterkunft und Pflege gesichert hatten." ... dabei ist diese Bedeutung (nach meiner persönlichen Meinung) für die Familienforschung, soweit sie sich mit den Lebensumständen unserer Vorfahren befasst, eigentlich die interessantere. In seiner Dissertation befasst sich Marcel Mayer zwar in erster Linie mit den Verhältnissen in der Stadt St.Gallen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, bietet im Kapitel "4.2 Eintrittsarten" aber doch eine gute Zusammenfassung der geschichtlichen Entwicklung: im Pfrundhaus (oft das Spital, das nicht mit einem Spital der heutigen Zeit verwechselt werden darf) bekamen in Armut geratene Bürger(innen) Ernährung und Wohnung, es war also zum einem die solidarische Leistung der Bürgergemeinde, die über die vom Pfrundamt verwalteten Vermögen/Immobilien finanziert wurde, ein wesentlicher Bestandteil des Ortsbürgerrechts. Auf der anderen Seite konnten sich wohlhabendere Büger(innen) durch Einbringen eines Legats eben eine lebenslange Unterkunft und Pflege sichern. Siehe dazu auch den Text im Scheizerischen Idiotikon (rechte Spalte unten). Ein Beispiel eines solchen Legats von 1572 findet man (digitalisiert online) im Klosterarchiv Einsiedeln: "Ammann Andreas Schmid und seine Frau vermachen das Zehntwieslein in Pfäffikon dem Kloster Einsiedeln um eine lebenslange Pfrund im Schloss Pfäffikon.".