von-Ritz'sches Hofgut in Freistätt

Antworten
hhg
Supporter2023
Beiträge: 1352
Registriert: Di 24. Mär 2009, 14:43
Geschlecht: Männlich

von-Ritz'sches Hofgut in Freistätt

Beitrag von hhg » Do 21. Okt 2021, 15:16

Hat jemand Infos zu dem Gut oder dem Freiherrn von Ritz, der es von ca. 1750 bis ca 1820 an Mennoniten (Familien Bernet und Geisert) verpachtet hat? Diverse genealogische Daten habe ich in Kirchenbuch-Duplikaten gefunden - gibt es eventuell ein Ortsippenbuch für Freistätt oder Rheinau?

Danke vorab!



hhg
Supporter2023
Beiträge: 1352
Registriert: Di 24. Mär 2009, 14:43
Geschlecht: Männlich

Re: von-Ritz'sches Hofgut in Freistätt

Beitrag von hhg » Sa 23. Okt 2021, 16:52

Korrektur nach Internet-Funden: Freiherr von Ritz wurde erst 1801 Eigentümer, vorher (ab 1753) gehörte es Freiherr von Dungern. Zeitweise scheint das Gut unter dem Namen Johannisches Rittergut in Freistätt geführt worden zu sein.

Traumhaft wären Tipps zur Suche nach entsprechenden Pachtverträgen, sonst natürlich auch alle anderen Hinweise ...



dz
Beiträge: 524
Registriert: Mi 25. Feb 2009, 15:14
Geschlecht: Männlich
Wohnort: Deutschland

Re: von-Ritz'sches Hofgut in Freistätt

Beitrag von dz » So 24. Okt 2021, 11:06

Hallo,

aus Baden-online 2007:

"Wiedertäufer im Ried

In verschiedenen Veröffentlichungen zu dem abgegangenen Ort Rohrburg bei Altenheim ist von den dort wohnenden Wiedertäufern die Rede. Durch das Ortssippenbuch Altenheim lassen sich sieben Personen als Angehörige dieser Religionsgemeinschaft identifizieren: Im Jahre 1663 starb Catharina Michel, eine alte Witwe. Aus Landsdorff im Bernergebiet stammte Hans Sprenger, dessen Frau 1734 starb. Hans Scharff, der Sohn eines Wiedertäufers zu Rohrburg, trat 1746 zum evangelischen Glauben über. Am 12. Februar 1746 wurde ein ungetauftes Töchterlein des Peter Leibundguth aus Saanen im Kanton Bern eingetragen. Bei Maria Schmidt, der Ehefrau des Peter Gerber aus Markirch im Elsass steht 1767 der Zusatz: »…war ehedem eine Wiedertäuferin.« Am 24. Februar 1767 wurde Hans Rieder Vater eines unehelichen Kindes. Er war der Bruder des Wiedertäufers von Ottenweier, dem heutigen Ottenweierhof bei Ichenheim. Um 1791 war Christian Rupp einer der Meier auf Rohrburg. Mit Sicherheit sind dies nicht alle Personen, die auf der Rohrburg lebten, die der Täuferbewegung zuzurechnen sind. Ihre Zahl dürfte weit größer sein als die Kirchenbücher vermuten lassen, da sie die Kindstaufe ablehnten. Die Geschichte der Täufer oder Taufgesinnten, wie sie sich selber auch heute noch nennen, begann während der Reformation an verschiedenen Orten. Spätestens nach dem kaiserlichen Mandat von Speyer vom 22. April 1529, nach dem alle nicht zum Widerruf bereiten Anhänger der Wiedertäufer mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen bestraft werden sollten, setzten massive Verfolgungen ein. Die Glaubensgemeinschaften der Täufer wurden nach dem Jahr 1535 fast vernichtet. Unter dem Friesen Menno Simons (ehemaliger katholischer Priester; 1496–1561) sammelten sich die Reste und nannten sich fortan »Mennoniten«. Viele von ihnen lebten in der Schweiz. Um den ständigen Übergriffen zu entgehen, zogen sie in Richtung Osten in die heutige Slowakei (die »Hutterer« nach Jakob Hutter), teils nach Norden zu ihren Brüdern nach Holland. Sie fanden Unterschlupf auf meist abgelegenen Höfen und wurden dort gern gesehene Pächter, da sie gute Bauern und Handwerker waren. Sogar katholische Bischöfe gaben ausgedehnte Ländereien gerne in die Hände von Mennoniten oder Amischen. So bildeten sich auch in Baden, Württemberg, der Pfalz und im Elsass kleinere und größere Kolonien. Die Rohrburg bei Altenheim und der Ottenweierhof bei Ichenheim gehören mit Sicherheit dazu.
In verschiedenen Veröffentlichungen zu dem abgegangenen Ort Rohrburg bei Altenheim ist von den dort wohnenden Wiedertäufern die Rede. Durch das Ortssippenbuch Altenheim lassen sich sieben Personen als Angehörige dieser Religionsgemeinschaft identifizieren: Im Jahre 1663 starb Catharina Michel, eine alte Witwe. Aus Landsdorff im Bernergebiet stammte Hans Sprenger, dessen Frau 1734 starb. Hans Scharff, der Sohn eines Wiedertäufers zu Rohrburg, trat 1746 zum evangelischen Glauben über. Am 12. Februar 1746 wurde ein ungetauftes Töchterlein des Peter Leibundguth aus Saanen im Kanton Bern eingetragen. Bei Maria Schmidt, der Ehefrau des Peter Gerber aus Markirch im Elsass steht 1767 der Zusatz: »…war ehedem eine Wiedertäuferin.« Am 24. Februar 1767 wurde Hans Rieder Vater eines unehelichen Kindes. Er war der Bruder des Wiedertäufers von Ottenweier, dem heutigen Ottenweierhof bei Ichenheim. Um 1791 war Christian Rupp einer der Meier auf Rohrburg. Mit Sicherheit sind dies nicht alle Personen, die auf der Rohrburg lebten, die der Täuferbewegung zuzurechnen sind. Ihre Zahl dürfte weit größer sein als die Kirchenbücher vermuten lassen, da sie die Kindstaufe ablehnten. Die Geschichte der Täufer oder Taufgesinnten, wie sie sich selber auch heute noch nennen, begann während der Reformation an verschiedenen Orten. Spätestens nach dem kaiserlichen Mandat von Speyer vom 22. April 1529, nach dem alle nicht zum Widerruf bereiten Anhänger der Wiedertäufer mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen bestraft werden sollten, setzten massive Verfolgungen ein. Die Glaubensgemeinschaften der Täufer wurden nach dem Jahr 1535 fast vernichtet. Unter dem Friesen Menno Simons (ehemaliger katholischer Priester; 1496–1561) sammelten sich die Reste und nannten sich fortan »Mennoniten«. Viele von ihnen lebten in der Schweiz. Um den ständigen Übergriffen zu entgehen, zogen sie in Richtung Osten in die heutige Slowakei (die »Hutterer« nach Jakob Hutter), teils nach Norden zu ihren Brüdern nach Holland. Sie fanden Unterschlupf auf meist abgelegenen Höfen und wurden dort gern gesehene Pächter, da sie gute Bauern und Handwerker waren. Sogar katholische Bischöfe gaben ausgedehnte Ländereien gerne in die Hände von Mennoniten oder Amischen. So bildeten sich auch in Baden, Württemberg, der Pfalz und im Elsass kleinere und größere Kolonien. Die Rohrburg bei Altenheim und der Ottenweierhof bei Ichenheim gehören mit Sicherheit dazu."

Dirk


dz

hhg
Supporter2023
Beiträge: 1352
Registriert: Di 24. Mär 2009, 14:43
Geschlecht: Männlich

Re: von-Ritz'sches Hofgut in Freistätt

Beitrag von hhg » So 24. Okt 2021, 17:21

Hallo Dirk,

komplexe Geschichten in einigen Sätzen zu umreissen geht nicht ohne Verallgemeinerungen. An dieser Stelle geht, im Bild von GoogleMaps, der Zoom von der Weltkarte auf das Johannische Rittergut in Freistett, bzw. die dort von ca 1753 bis um 1820 lebenden Pächterfamilien Bernet und Geisert. Ziemlich sicher schweizerischen Ursprungs, und wohl den (1693 von früheren Glaubensgenossen abgespaltenen) Amischen zugehörig. Von der Suche nach zeit- und ortsgeschichtlichen Umständen hoffe ich Näheres zu finden, z. B., ob die männlichen Stammväter der Familien, so wie einige ihrer Ehepartner, aus der elsässisch-pfälzer Ecke nach Baden gezogen sind.

Auf jeden Fall Danke für dein Interesse und den Artikel!



Antworten

Zurück zu „Baden-Württemberg“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste