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Vornamen

Verfasst: Di 27. Jan 2009, 16:57
von Walter
Bei einem Taufeintrag von 1720 in den KB von Grosshöchstetten wurde der Vaters als Jilch (oder ähnlich) Keller bezeichnet.
Bei späteren Taufen wird der gleiche Vater als Gilgian Keller notiert.
Wer kann mir etwas zu diesem (diesen) Vornamen sagen? Ich nehme an, dass beide Begriffe den gleichen Namen meinen.

Vornamen

Verfasst: Di 27. Jan 2009, 17:10
von Mark
Walter,
vermutlich sind dies dialektbedingte Varianten der Vornamensform Gilg. Diese dürfte vom Rufnamen Aegidius abgeleitet sein.
Gruß, Mark

Vornamen

Verfasst: Di 27. Jan 2009, 17:29
von Thomas
Ich stimme Mark zu. Während “Aegidius“ und die früher sehr beliebte deutsche Form “Gilg“ kaum mehr gebräuchlich sind, hat im französischen Sprachraum “Gilles“ bis heute überlebt. Berühmtester Vornamensträger war der Glarner Politiker und Historiker Aegidius/Gilg Tschudi (1505 bis 1572).

Gruss

Thomas

Vornamen

Verfasst: Di 27. Jan 2009, 18:54
von Walter
Soweit so gut, aber Jilch??
Lese ich den Namen falsch?
Ich stelle mal den Heiratseintrag dieses "Jilch" Keller hier ein, vielleicht gibt es auch für diese Form eine plausible Erklärung ;-)

Gruss
Walter

Vornamen

Verfasst: Di 27. Jan 2009, 21:04
von george
Hallo Walter

Anhand Deines Ausschnittes aus dem Eheregister, würde ich den Namen mit etwas Fantasie nicht als "Jilch" sondern als "Gilg" lesen. Wenn ich das Wort Juli als Lesevergleich nehme, kann der erste Buchstabe des Vornamen kein "J" sein. Für das "g" sehe ich in Deinem Ausschnitt keine gute Vergleichsmöglichkeit. Beim Wort "Müllers Sohn" ist der untere Bogen des "h" deutlich schlanker als oben bei "Jilch" und deshalb würde ich diesen als "g" lesen.

Gruss
George

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 08:42
von Mark
Walter,
wie Du selbst bereits mitteiltest, wurde der Vater später als "Giligan" notiert. Zur damaligen Zeit waren es vor allem die Schreib- und Sprachgewohnheiten der jeweiligen Pfarrherren, die zu solchen Varianten in den KB geführt haben. Deshalb bleibe ich bei meiner Interpretation.
Gruß, Mark

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 08:48
von Habchi
Hallo Walter

Gilgian ist ein Vorname, den man noch heute im Raume Adelboden antrifft. Diese "Gilgiane" werden im Dialekt "Jilge" genannt.

Gruss Habchi

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 09:05
von Walter
Hallo und vielen Dank an Alle

Wenn ich die diversen Antworten richtig verstehe ist Jilch also eine mundartliche Form von Gilgian und wurde in etwa als "Schilch" ausgesprochen (in Aldelboden "Schilche"?)! Sehe ich das richtig?
Ich stelle nun noch eine weitere Taufe von diesem Ehepaar ein, ich kann diesen Namen (auch mit sehr viel Fantasie) nur als Jilch lesen (siehe das Wort "Jenner" ganz oben im Attachment).

Nochmals besten Dank für die tatkräftige Unterstützung bei meiner Frage
und herzliche Grüsse in die Runde
Walter

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 09:19
von Habchi
Hallo Walter

Man spricht Jilge nicht als "Schilche" aus, sondern wirklich so Buchstabe für Buchstabe wie es dasteht.

Gruss Habchi

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 09:35
von Walter
von Habschi
Man spricht Jilge nicht als "Schilche" aus, sondern wirklich so Buchstabe für Buchstabe wie es dasteht.
Vielen Dank Habschi für Deine Richtigstellung. Als "Baselbieter" habe ich mit dieser Aussprache aber etwas Mühe. Bei Jilge kann ich das noch verstehen, aber wie wird (oder wurde) den "Jilch" ausgesprochen, das spricht doch auch ein Berner mit "ch" am Schluss!?
Aber nun wird es vielleicht doch zu akademisch, die Aussprache dieses Namens ist ja nicht wirklich das grosse Problem ;-)

Nochmals besten Dank und herzlichen Gruss
Walter

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 09:48
von Mark
Akademisch zwar nicht, aber es erinnert fast ein wenig an Griffelspitzerei. Beim Vornamen Georg gab und gibt es auch die Nebenform Jörg. Wo liegt jetzt eigentlich das Problem ?
Mark

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 10:06
von Walter
von Mark
Wo liegt jetzt eigentlich das Problem ?
Nun lieber Mark,
das Problem liegt für mich darin, dass ich grosse Mühe hatte die Bezeichnung "Jilch" als Vornamen zu verstehen, ich hatte diesen Namen bis Dato noch nie angetroffen, also nur eine kleine Wissenslücke.
Mit Hilfe dieses Forums weiss ich nun immerhin, dass dieser Name mundartlich in fast gleicher Form z.B. in Adelboden noch Heute geläufig ist, die genaue Aussprache ist dabei natürlich wirklich nebensächlich.
Sollte ich Dich mit meiner "Griffelspitzerei" geärgert haben tut mir das leid, allerdings ist die Teilnahme am Dialog zu dieser Frage immer noch freiwillig ;-)
(NB: "Griffelspitzerei" ist mir auch nicht geläufig, schon wieder eine kleine Wissenslücke! Ich würde es vermutlich als "Spitzfindig" bezeichnen)

Beste Grüsse
Walter

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 10:14
von Mark
Lieber Walter, nichts für ungut, aber man lernt eben täglich dazu. Natürlich ist Gilg, wie bereits gesagt, ein alter Rufname, der nur noch selten vorkommt heutzutage.
Gruß, Mark

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 10:23
von Thomas
Die Buchstaben “G“ und “J“ sind wandelbar, nicht nur im Schweizerdeutschen. Jedermann weiss ja z.B., dass der Berliner “jute Besserung“ wünscht....


Gruss

Thomas

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 10:55
von Kraehe
Bitte, sehe meine Reaktion bei Texte aus den KB Grosshoechstetten. Dort irrtuemlicherweise reagiert. Vielleicht kann der Webmaster ingreifen.

Gruss, Bernard

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 11:45
von Stephleuen
Keineswegs ist das hier akademisch oder Griffelspitzerei noch ist es Spitzfindig.

In der Schweiz haben wir vier Landessprachen und eine Unmenge an Dialekten. Jede Region hat ihren Dialekt und dem entsprechend sind auch Aussprache und Betonung!

Ch - wird in der berndeutschen Mundart entweder weich oder kratzend ausgesprochen - unter Anderem auch abhängig davon ob das Stammwort mit K oder Ch beginnt. Der Stadtbasler kann das Ch im Sinne von Berndeutsch erst gar nicht aussprechen - zB. Chuchi geht aber Chrigu hat er mühe. (Chrischtes Chrigu het gärn Chriesi)

Eine spezielle Aussprache erhällt auch das L. Befindet es sich zB am Schluss eines Wortes wie Langenthal spricht der Berner den L als U aus. So Emmental sprich Ämmitau, Langethau, Walterswil sprich Wauterswiu, Madiswil Madiswiu, Huttwil als Huttu und Eriswil als Eriswiu, Roggwil wird zu Roggu und Murgenthal zu Murgetu und wenn man nach Murgenthal geht so spricht man gehe in die Murgete oder nach Langete oder Langetu.

Während ich für das Wort Küchenschürze Schöibe verwende sprach die einte Grossmutter von mir (Jahrgang 1895) von einer Jepe und die andere (Jahrgang 1910) vom Fürtuech.

Liebefeld bei Köniz wird als Liebifäud, so wie Feld als Fäud ausgesprochen wird. Der vornehme und abgehobene Stadtberner spricht allerdings vom Liebifäld, wo bei er das ä sehr hell ausspricht.

So gibt es für Veronika neben Vreneli auch noch Fronek oder Vroni

Meine Botschaft dazu ist einfach: Währe das spizfindig und Griffelspitzerei hätte man das Idiotikon erst gar nicht editieren müssen!

Ä schöne Gruess us Bärn

Stephan Leuenberger

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 12:13
von Thomas
Wäre es nicht eine gute Idee, ein Spezial-Board “Onomastik“ (Namenskunde) in diesem Forum einzuführen? Hier könnten genau solche Fragen rund um Entstehung, Bedeutung, sprachliche Wandlung etc. von Vor- und Familiennamen detailliert diskutiert werden.

Gruss

Thomas

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 12:40
von Walter
An Stephan
Danke für Deine Unterstützung. Irgendwie finde ich (als Baselieter?) für den Namen Jilch einfach keine passende Aussprache, ich würde ihn eben als "Schilch" aussprechen, offenbar müsste er aber eher "Gilg" ausgesprochen werden! Vielleicht sollte man ja das Idiotikon als Hör-CD heraus geben (ist nicht ganz ernst gemeint) ;-)

Hallo Thomas
Deinen Vorschlag würde ich sofort unterstützen, es gibt noch etliche Namensformen, mit denen ich grosse Mühe habe sie zu verstehen (nicht nur die Aussprache).

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 13:20
von Thomas
Hallo Walter, vielleicht ist dies zum Vergleich noch hilfreich:

Julius (deutsch), ausgesprochen als “j“

Jules (französisch), ausgesprochen als “sch“

Giulio (italienisch), ausgesprochen als “dsch“

Die Aussprache desselben Vornamens, namentlich des Anfangsbuchstabens, variiert je nach Sprachraum. Auch hier findet eine Wandlung G/J statt.

Gruss

Thomas

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 14:22
von Mark
Stephan,
danke für die Erläuterungen. Nur eine Bitte: Der Begriff Dialektik wurde längst schon von der Philosophie anderweitig besetzt, herausragender Vertreter: Hegel.
Gruß, Mark

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 14:30
von Stephleuen
Wäre es nicht eine gute Idee, ein Spezial-Board “Onomastik“ (Namenskunde) in diesem Forum einzuführen? Hier könnten genau solche Fragen rund um Entstehung, Bedeutung, sprachliche Wandlung etc. von Vor- und Familiennamen detailliert diskutiert werden.

Gruss

Thomas
Finde ich eine sehr gute Idee.

Freundlicher Gruss

Stephan Leuenberger

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 14:53
von Stephleuen
Mark

Erlauben Sie mir meine Bemerkung - eben doch Haarspalterei. Mit Dialektik meinte ich Mundart/ Dialekt.

Ich danke für Ihre Belehrung! Ich habe das Wort korrigiert.

Gruss

Stephan Leuenberger

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 15:03
von Stephleuen
Hallo Walter

Das Idiotikon als Hör-CD wäre dann das Idiotiphon :-)

Spass bei Seite, auch ich habe manchmal meine Schwierigkeiten mit den Vornamen. Schlimm sind auch die französischen Ortsnamen die von den Pfarrern verdeutscht wurden. Da suche ich manchmal recht lange bis ich weiss welche Ortschaft es betrifft.

Gruss

Stephan Leuenberger

Vornamen

Verfasst: Mi 28. Jan 2009, 15:25
von Stephleuen
Walter ich hab noch ein wenig im Internett gestöbert:

In Österreich ist Jilich, Jillich ein Familienname im ganzen sind ca. 25 Telefonbucheinträge mit 66 Personen in der Region Tulln, St.Pölten, Baden, Melk und Vöcklabruck.

Hier noch eine PDF-Datei die ich gefunden habe
[PDF] Illich , Jillich , Illy , Illi , Gyilich , Illig , Jilch Illich ...

Vielleicht hilft das noch enwenig weiter.

Gruss

Stephan Leuenberger